Sonntag, 7. Februar 2010

Was liest du? Die Wahre Bücherliste, Februar 2010.

Liebe Leserinnen und Leser,

ich freue mich jedesmal, wenn sich auf dieser Bücherliste ein paar Namen verirren, die ich noch nie gehört habe. Und frage mich dann jedesmal, ob es Mitmacher bei dieser Bücherliste gibt, die sich aufgrund einer Kritik auf dieser Liste ein Buch gekauft haben – oder gerade deshalb nicht. Denn: Es gibt ja schon den ein oder anderen, der sich richtig viel Mühe mit seinen Einträgen gibt. Und das geht manchmal so weit, dass die Kritik in letzter Minute noch zurückgezogen wird und durch eine neue ersetzt wird. Wie diesmal bei Stieg Larsson. Als ob der Autor erst auf den letzten Seiten so richtig gut geworden ist.

Und jetzt viel Spaß mit der Februar-Bücherliste!


BELLETRISTIK

1. Stieg Larsson Vergebung (1)
Unglaubliche und bis ins Detail spannende Fortführung der vorherigen beiden Teile, die ich ebenfalls verschlungen habe. Auf den letzten 1oo Seiten überkamen mich „Trennungsängste“ und als ich es zuklappte, verabschiedete ich mich leicht wehmütig von Lisbeth ... Nein: Ich will diese Verfilmungen nicht sehen!

2. Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon (1)

3. Paolo Giordano: Die Einsamkeit der Primzahlen (2+)
Wundervolle Sprache, kraftvoll und sehr poetisch, auch in der Übersetzung. Die alte Geschichte der beiden Königskinder, die zueinander nicht kommen können, entfaltet in Giordanos neuem Gewand eine sogartige Kraft, bleibt dabei doch immer zart, bisweilen beinahe tänzelnd in ihrer Erzählung. Und auch in ihren traurigsten Momenten nie hoffnungslos.

4. Herta Müller: Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt (2+)
Müller erzählt in derart eindrucksvollen Sprachbildern, dass die Geschichte dabei zuweilen fast nebensächlich wird.

5. Jaume Cabré: Die Stimmen des Flusses (2)

6. Craig Russell: The Carnival Master (2-)

7. John Madison: Nothing for ungood – deutsche Seltsamkeiten aus amerikanischer Perspektive (Note 2-3)
Das Buch ist flott geschrieben und flott zu lesen. Man sollte es nicht zu ernst nehmen und es nutzen, um mal herzhaft über sich und seine Landsleute zu lachen. Die Fußnoten der Übersetzerin nerven ganz gewaltig – diese lieber nicht lesen.

8. Jostein Gaarder: Der Geschichtenverkäufer (3)
Jetzt quäl ich mich schon ein paar Wochen mit diesem Buch, das weder schlecht geschrieben noch uninteressant ist. Aber irgendwie kommt Gaarder mit seinem Geschichtenverkäufer nicht auf den Punkt. Die angekündigten Ungereimtheiten deuten sich gerade erst an, und die Hälfte des Buches habe ich schon durch. Ich werde wohl noch ein bisschen warten müssen. Oder das Buch auf mich.

9. Jean-Christophe Grangé: Das Herz der Hölle (oW)
Das ist so ein Thriller, bei dem man nachts nicht mehr im Dunkeln aufs Klo gehen will, wenn man den gerade liest. Alles drin: übel zugerichtete Leichen, schöne Frauen, Satanisten, der Vatikan … Mein Fazit: empfehlenswert, aber nichts für Zartbesaitete ...

10. Frank Schätzing: Limit (oW)


SACHBUCH

1. Kathrin Passig, Sascha Lobo: Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin (2)
Ein Buch, bei dem sich jeder von Aufschieberitis geplagte wiederfinden und verstanden fühlen kann. Ein Buch voller guter Ratschläge, wie zum Beispiel „Dinge gar nicht erst anschaffen, die man im Haushalt aufräumen, säubern, pflegen und gottweißwas muss – und was zu viel ist: weggeben/wegwerfen“.

2. Markus Breitscheidel: Arm durch Arbeit: Ein Undercover-Bericht (2-)

3. Owe Wikström: Vom Unsinn, mit der Harley durch den Louvre zu rasen. Lob der Langsamkeit (1-2)
Diese Buch sollte eine Pflichtlektüre sein; ein bisschen mehr Gelassenheit würde uns allen gut tun.


Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen. Und wie geht das? Verschiedene Leute reichen die Titel der Bücher ein, die sie im vergangenen Monat gelesen haben bzw. gerade lesen. Sie benoten das Buch – wenn sie wollen – und schreiben eine kleine Kritik – wenn sie wollen. Mitmacherinnen und Mitmacher schicken eine E-Mail an: whoa@gmx.de – alles Weitere per Mail.

Samstag, 9. Januar 2010

Was liest du? Die Wahre Bücherliste, Januar 2010.

Liebe Leserinnen und Leser,

das Jahr hat gerade erst begonnen und ist doch schon wieder neun Tage alt. Wie schön, dass es Bücher gibt, die die Zeit bisweilen ein wenig einfrieren. Um Zeit geht es auch bei unseren heutigen Büchern, aber auch um die Liebe, über Kastrophen und die Chemie des Todes. Sehr interessant, dass neben einem Klassiker von Marcel Proust auch das aktuelle Buch von Frank Schätzing dabei ist – und das gleich zweimal. Aber lest doch einfach selbst!


BELLETRISTIK

1. Mario Benedetti: Primavera con una esquina rota (1)
Noch so ein schönes Buch von dem Alten über Liebe, Exil und die seltsame Funktionsweise des menschlichen Geschöpfes.

2. Daniel Glattauer: Gut gegen Nordwind (1)
Ein unglaublich fesselnder Roman in Briefform, der mich gepackt und nicht mehr losgelassen hat. Ich war richtig traurig, als die letzte Seite gelesen war. Wie wunderbar, dass es einen zweiten Teil gibt! Den lese ich dann bis nächsten Monat.

3. Marcel Proust: Le Coté des Guermantes (1)
Jetzt, da ich beim dritten Buch der Suche nach der verlorenen Zeit angekommen bin, kann ich begeistert ausrufen: Wunderbar ist das! Selbstverständlich ist es wunderbar, sonst wäre es ja nicht so berühmt. Aber ich habe doch etwas gebraucht, um mich in der Welt der Swanns und Guermantes und so weiter richtig wohl zu fühlen. Alles dauert in dieser Welt unglaublich lange und dann löst es sich plötzlich in beinahe nichts auf. Die Suche nach der verlorenen Zeit lesen ist ein bisschen wie Eric-Rohmer-Filme gucken, nur viel besser.

4. Jaques Berndorf: Bruderdienst (1-2)
“In der Welt der Geheimdienste kursieren Gerüchte, dass Nordkorea eine Atombombe verkauft hat. Die Hintergründe des Geschäfts liegen völlig im Dunkeln. Klar ist nur: Die Folgen könnten verheerend sein ...”
Mein Fazit: ein wirklich spannender BND-Krimi, der zeigt, dass es auch “auf Deutsch” geht und nicht nur spannende CIA- oder FBI-Romane funktionieren!


5. Herrmann Harry Schmitz: Das Buch der Katastrophen - Erzählungen (1-2)
Dreißig groteske Kurzgeschichten über die Wirren des Alltags von absolut absurd über tief verzweifelt bis herrlich komisch. Grandios!

6. Gisa Pauly: Tod im Dünengras - ein Sylt-Krimi (2+)
Hehe, ja, ich habe es irgendwie gerade mit regionalen Krimis. Auch hier mag ich die bekannten Schauplätze und Insider-Infos über Sylt, die in die wirklich gute Story eingestrickt werden. Außerdem ist der immer wiederkehrende Plot nett: Die neugierige italienische Schwiegermama des wortkargen friesischen Hauptkommissars ermittelt auf eigene Faust.

7. Simon Beckett: Die Chemie des Todes (2)
Die Beschreibung der Morde und Details der Leichen sind schon etwas gewöhnungsbedürftig, sind aber überzeugend. Insgesamt ein spannender Krimi mit unerwarteten Wechseln. Die letzten 100 Seiten muss man durchlesen ...

8. Frank Schätzing: Limit (2)

9. Kirstin Warschau: Fördewasser - ein Kiel-Krimi (2)
Ich komme aus Kiel, und deshalb bekommt dieser mittelmäßige Krimi einen
Pluspunkt für die mir bestens bekannten Schauplätze :-).


10. Jürgen Becker: Franz Meurer, und Martin Stankowski: Von wegen nix zu machen: Werkzeugkiste für Weltverbesserer (3+)

11. Daniel Defoe: Robinson Crusoe (3)
Die diplomatische „drei“ deswegen, weil es wohl eine Typenfrage ist, ob einem ein solches Abenteuerbuch liegt oder nicht. Ich selbst habe nie dergleichen gelesen, ja bewusst verschmäht und mangels Neuware beim Nachbarn darauf zurückgegriffen, nachdem bei Günter Jauch nach dem bürgerlichen Namen Crusoes gefragt wurde („Robin Kreutzner“ übrigens).
Fasziniert hat mich seine Beschreibung der Erschließung der Insel und vor allem die Kunst, aus dem dort Vorgefundenen (und einigen glücklichen Vorräte) ein beinahe zivilisiertes Leben zu führen. Die Beschreibungen ferner Länder und Völker hat mich interessiert, da ich die ein oder andere (Rucksack-)Fernreise hinter mir habe und Erinnerungen verknüpfen und sogar raten konnte, wo er denn nun gestrandet ist.
Allerdings waren mir die seemännischen und religiösen Ausschweife über Seiten zu langatmig.


12. Shamini Flint: Die tödliche Familie Lee (3)

13. Craig Russel: The Carnival Master (3)

14. Frank Schätzing: Limit (3)
Ich habe erst 100 Seiten gelesen. Der Mann kann schreiben. Aber manches ist mir zu ausführlich, fast schon geschwätzig. Der Autor hat "überrecherchiert" und packt nun all sein Wissen in einen Roman. Wie schon beim "Schwarm" sollte man 200 Seiten kürzen. Aber es liest sich auch so sehr gut. Es gibt schlechtere Bestseller.

15. Rainer Moritz: Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe (oW)

16. Jostein Gaarder: Der Geschichtenverkäufer (oW)


SACHBUCH

1. Victoria Finlay: Das Geheimnis der Farben - Eine Kulturgeschichte (2+)
Die Autorin reist auf der Suche nach der Herkunft, Bedeutung und den Hintergründen durch die Welt und durch den Farbkasten. Teils amüsante, teils nachdenklich stimmende Anekdoten und viele Informationen sind das Ergebnis. Ein empfehlenswertes Buch, auch wenn am Ende manche Fragen offen bleiben.

2. Birgit Gebauer-Sesterhenn & Thomas Villinger: Schwangerschaft und Geburt (2+)

3. Claus Leggewie und Harald Welzer: Das Ende der Welt, wie wir sie kannten (oW)


Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen. Und wie geht das? Verschiedene Leute reichen die Titel der Bücher ein, die sie im vergangenen Monat gelesen haben bzw. gerade lesen. Sie benoten das Buch – wenn sie wollen – und schreiben eine kleine Kritik – wenn sie wollen. Mitmacherinnen und Mitmacher schicken eine E-Mail an: whoa@gmx.de – alles Weitere per Mail.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Was liest du? Die Wahre Bücherliste im Dezember 2009.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

etwas abgewandelt hat mal jemand Schlaues gesagt: „Wenn das Lesen aufhört, fängt die Dummheit an.“ Aber wahrscheinlich hat dieser jene nicht an die Weihnachtszeit gedacht. Denn wer schafft es schon, zwischen Plätzchenbacken, Weihnachtsliedersingen und Geschenkekaufen überhaupt noch ein Buch zu lesen? Nun, ein paar wenige Exemplare dieser Gattung gibt es sehr wohl. Und die Titel auf der Liste zeigen schon, dass sie sich bewusst nicht zu viel vorgenommen haben.

Und jetzt: die Bücher der Dezember-Liste. Los geht’s!


BELLETRISTIK

Stieg Larsson: Verdammnis (1)

Francois Lelord: Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück (1-2)
Macht auch bei wiederholtem Lesen glücklich.

Dieter Breuers: Ritter, Mönch und Bauersleut - eine unterhaltsame Geschichte des Mittelalters (2+)
Geschichte muss nicht langweilig sein!

Anya Ulinich: Petropolis (2)

Simon Beckett: Die Chemie des Todes (2-)

Dashiell Hammett: Rote Ernte (oW)

Andrew Shawn Greer: Geschichte einer Ehe (oW)
Bin zu der Ansicht gelangt, dass dies ein guter, ein irgendwie zeitloser Roman ist. So angenehm im Klang, so gruselig im Innern der Geschichte – konnte es zwischendurch auch mal nicht mehr aushalten.

Kerstin Gier: Fischermans Friend in meiner Koje. Kerstin Gier: Ein unmoralisches Sonderangebot (oW)
Will sich mal jemand völlig harmlos amüsieren? Schlapp, schlapp, schlapp, eins nach dem andern kann man davon lesen, wie Serie-Gucken geht das (das dritte erwähne ich hier gar nicht, weil der Titel so doof klingt, viel doofer, als die Bücher sind).


SACHBUCH

- Fehlanzeige -



Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen. Und wie geht das? Verschiedene Leute reichen die Titel der Bücher ein, die sie im vergangenen Monat gelesen haben bzw. gerade lesen. Sie benoten das Buch – wenn sie wollen – und schreiben eine kleine Kritik – wenn sie wollen. Mitmacherinnen und Mitmacher schicken eine E-Mail an: whoa@gmx.de – alles Weitere per Mail.

Sonntag, 8. November 2009

Was liest du? Die Wahre Bücherliste im November 2009.

Zwischendurch werde ich immer mal wieder gefragt: „Warum machst du das eigentlich? Das bringt doch nichts.“ Nun, das stimmt. Es bringt nichts. Aber es macht Spaß. Und der bringt auch nichts. Außer schlaflose Nächte. Aber jetzt mal im Ernst: Viele Einsendungen gab es diesmal ja nicht wirklich. Ohne Susanne und Britta wäre diese Liste sehr sehr dürftig ausgefallen. Danke an die Damen! Und an die Herren (diesmal waren nur zwei dabei): Beim nächsten Mal will ich aber wieder richtig was von euch hören!
Und jetzt: die Bücher der November-Liste. Los geht’s!

BELLETRISTIK

Mario Benedetti: Quién de nosotros (1)
Sieh mal einer an! Unter den Nobelpreisträgern gibt es doch welche, die einen Nobelpreis wert sind. Und das war gleich sein erstes Buch. Ein sehr subtiles Psychogramm eines Beziehungsdreiecks.

Roberto Bolaño: 2666 (1)
Wenn man über das Buch, das man gerade liest, nachdenkt, was es für den eigenen Alltag bedeutet, kann das überlegungspraktische Folgen haben. Ich für meinen Teil habe grundsätzlich ganz große Angst vor Büchern, die mehr als 275 Seiten haben. Ich stehe immer davor und frage mich: „Wie soll ich das jemals durchlesen?“. Das wäre bei diesem Buch nicht anders gewesen, wenn sich die über 1.000 Seiten nicht auf fünf Kapitel aufteilen würden. Und wenn ich schon am positivieren bin: Sonst kaufe ich zwischendurch ja mal eben die Zeitschrift und noch mal diese Zeitung. Das hat ein wenig nachgelassen, weil ich ja weiß, dass zu Hause ein Buch liegt, das noch gelesen werden will. Und dann hab ich immer auch Respekt vor professionellen Rezensenten, die dieses Buch mal eben für die nächste Printausgabe ihres Arbeitgebers durchlesen und besprechen. Und jetzt zum Buch: Extrem dicht, andeutungsreich und dabei so geschrieben, dass man weiterlesen will. Ein gutes Buch. Und das glaube ich jetzt schon, obwohl ich noch keine 80 Seiten gelesen habe. Freue mich auf den Rest. Und der hoffentlich auch auf mich.

Thomas Fuchs: Grenzverkehr (2+)
Hatte nach Lektüre des Klappentextes das Buch erst wieder zurückgelegt. Dann doch mitgenommen. Zum Glück: Ein echtes Highlight, sehr witzig geschrieben, lehrreich, nachdenklich, mit einem gewissen anarchistischen Touch und super Sinn fürs Skurrile wird die Geschichte von Milena erzählt, die Hure wird. Empfehle ich derzeit überall weiter!

Ewald Arenz: Der Duft von Schokolade (2+)
Man mag es ahnen, ich habe im vergangenen Monat ein Schokoladen-Extra konzipiert und dazu passende Lektüre angefordert. :-) Dies ist eine wunderbare bittersüße Liebesgeschichte, in der Düfte eine mehr als tragende Rolle spielen. Wie verschiedenste Aromen mit der Handlung verwoben wurden, ist wirklich ein Meisterstück - ähnlich wie im „Parfüm“, aber leichter, eleganter.

Pierre Magnan: Tod in Bronze (2)
Wenn man gerade vor Ort ist, sind diese dezent angestaubten Provence-Krimis sehr schön … Gerade auch, weil man eine fast schon untergegangene Welt liest (die Krimis sind in den 80ern erschienen). Und dennoch, so als Ausländer, erkennt man die französischen Welten, wie wir sie durchaus auch noch wahrnehmen.

Ferdinand von Schirach: Verbrechen (2)
Der schreibt toll, dramaturgisch perfekte Kurzgeschichten, immer menschlich angewärmt, aber eigentlich seziert er ja mit großer Lust das Böse – man schaudert ob seiner lakonischen Gewaltschilderungen, an dem Mann ist eindeutig ein Pathologe verloren gegangen.

Stefania Bertola: Ein Herz aus Schokolade (2-)
Ein Roman, wie wir Frauen ihn lieben: Voller Irrungen und Wirrungen, und am Schluss gewinnen die Guten und das Mädchen bekommt den Jungen. Das Ganze spielt diesmal im Konditoren-Milleu. Schöne Wochenendlektüre.

Olivier Adam: Klippen (2-)
Ich mag diesen depressiven Franzosen, aber er ist, eben depressiv. Trotzdem bietet seine Geschichte viel Menschliches und Anrührendes.

Anne Tyler: Fast ein Heiliger (2-)

Rebecca Gablé: Das Spiel der Könige (2-)
Kommt nicht an die Vorbände in dieser Waringham-Triologie heran. Die 1.200 Seiten sind aber dennoch mehr als lesenswert.

Andrew Sean Greer: Geschichte einer Ehe (oW)
Bin noch dabei – eine sehr amerikanische Geschichte, toll erzählt, es gibt ganz leise Überraschungen, die mal eben den Atem nehmen, bevor es dann gleich weitergeht. Schon toll, Bewertung erst bei Abschluss.


SACHBUCH

Bernhard Hoëcker: Aufzeichnungen eines Schnitzeljägers: Mit Geocaching zurück zur Natur (3-)
Ich finde Geocaching hoch interessant, und ich finde Herrn Hoëcker sehr lustig. Man sollte also meinen, dass dieses Buch eine sichere Nummer ist - denkste! Er ist einfach viel zu begeistert von seinem Sujet, um den notwendigen ironischen Abstand zu bekommen. Natürlich werden die verschiedenen Cache-Erlebnisse unterhaltsam erzählt, und der Autor nimmt sich auch selbst auf die Schippe, aber nach einem Drittel des Buchs wirds ein bisschen eintönig.

Dave Barry: Dave Barry's Money Secrets (oW)
Laut lachen tue ich nicht allzu oft. Beim Lesen erst recht nicht. Hier waren keine zwei Seiten gelesen, da musste ich schon vor Lachen die Tränen abwischen. Ein Amerikaner mit dem strikt englischen Humor erklärt Geld. Da erst 20 Seiten gelesen, ohne Wertung.


Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen. Und wie geht das? Verschiedene Leute reichen die Titel der Bücher ein, die sie im vergangenen Monat gelesen haben bzw. gerade lesen. Sie benoten das Buch – wenn sie wollen – und schreiben eine kleine Kritik – wenn sie wollen. Mitmacherinnen und Mitmacher schicken eine E-Mail an: whoa@gmx.de – alles Weitere per Mail.

Dienstag, 6. Oktober 2009

Was liest du? Die Wahre Bücherliste, Oktober 2009.

Das war ein guter Monat, hab gleich drei Bücher gelesen – und sogar alle durch. Und alle kommen auf die Liste.

Entschuldigen muss ich mich bei Julia, deren Buchbeitrag ich beim vorigen Mal vergessen hatte. Sorry! Alle Bücher sind auf dieser Liste – mit ein bisschen Verspätung.

Kleine Premiere mit dieser Liste: Ab jetzt werden die Buchtitel nach Noten geordnet. Die Besten kommen also zuerst. Und in dieser Ausgabe findet ihr gleich ein echtes Highlight – wenn wir der Leserin glauben können!

Und jetzt viel Spaß mit der Liste!


BELLETRISTIK

1. Kerstin Gier: In Wahrheit wird viel mehr gelogen (1+++)
Um 17 Uhr bekommen, um 22.30 Uhr ausgelesen, gegrinst: 12 mal, laut gelacht: 3 mal, geweint: 2 mal. Am liebsten hätte ich sofort wieder von vorne angefangen ...

2. Ingrid Noll: Falsche Zungen (2+)
Skurrile, komische, merkwürdige und blutrünstige Kurzgeschichten. Sehr kurzweilig.

3. Per Petterson: Ich verfluche den Fluß der Zeit (2+)

4. Jakob Arjouni: Der heilige Eddy (2+)
Wenn einer aus den abstrusesten Situationen noch einen mehr als überraschenden und bemerkenswerten Ausweg findet, dann ist das der heilige Eddy. Beklaut auf verrückte Weise fremde Menschen, mit denen er sich gerade noch angefreundet hat und lässt Tote auf intelligente Weise verschwinden. Gut lesbares Buch, nett geschrieben. Eine gute Empfehlung des Buchhändlers meines Vertrauens!

5. Andreas Eschbach: König von Deutschland (2)

6. John Boyne: Der Junge im gestreiften Pyjama (2-)
Schaurig-schöne Geschichte von einem sechsjährigen Jungen, der mit seiner Familie nach Ausschwitz direkt neben das KZ zieht, weil der Vater des Jungen Oberaufseher des Lagers ist. Ich will gar nicht den Schluss verraten, das kann jeder in diesem schnell lesbaren Buch selbst nachlesen. Aber die aus der Sicht eines Kindes erzählte Geschichte macht das Unbeschreibbare auf naive Weise beschreibbar. Streitbares Buch, das ich sehr gerne gelesen habe.

7. Rebecca Gablé: Das Spiel der Könige (2-)

8. Heather Barbieri: Rückkehr nach Glenmara (3)
In Erinnerung an Rosamunde Pilcher.

9. Dolores Hitchens: Wer mit Fremden schläft (4)
Ganz nett zu lesen, aber irgendwie fehlt diesem Krimi die Spannung. Obwohl es ein paar Tote gibt und der Hauptdarsteller und Detektiv sehr gut dargestellt wird. Zum Teil finde ich den Plott auch ein wenig verwirrend. Vielleicht ist das eher was für Miss-Marple-Freunde. Ein bisschen mehr Aktion hätte diesem Buch wahrscheinlich sehr gut getan. Das Ende ist dann allerdings doch ein wenig überraschend.

10. Ildefonso Falcones: La mano de Fatima („Fatimas Hand“) (oW)
Das Buch ist in Deutschland noch nicht erschienen, es könnte also sein, dass es einen anderen Titel trägt.


SACHBUCH

1. Udo Pollmer: Esst endlich normal! (1)
Man kann es überall lesen: wir sind alle zu fett und werden immer fetter. Dadurch wird unsere Gesundheit gefährdet, unser Leben verkürzt und das Sozialsystem belastet.
Diese gebetsmühlenartige Propaganda widerlegt der Ernährungsexperte Pollmer anhand von Daten und Fakten. Er schildert, wie die Panikmache auf der einen Seite satte Gewinne in die Kassen aller an Ernährungsberatung Beteiligten spült und auf der anderen Seite schon Kinder stigmatisiert und krank macht.
Ein Plädoyer für den entspannten Umgang mit Essen. Fazit: Lesen!


2. Wilfried Röhrich: Die Macht der Religionen; Glaubenskonflikte in der Weltpolitik (2)
Übersicht über die religiös motivierten Konflikte auf dieser Welt. Hintergrundinformationen, historische Zusammenhänge, ausgefeilte Sprache, ausgezeichnete Zusammenfassung.

3. Michael Köhlmeier: Michael Köhlmeiers Sagen des klassischen Altertums (2)
Kurzinhalt: Köhlmeier deckt in seiner kenntnisreichen und witzigen Nacherzählung ein breites Spektrum der griechischen Sagen ab: die Entstehung der Welt (Gaia, Giganten, Titanen …), Orpheus und Eurydike, der Gründungsmythos von Theben, die diversen amourösen Abenteuer von Zeus und viele andere Göttergeschichten, der Minotaurus, Ikaros, Ödipus, die Graien und die Gorgonen, Tantalos, Agamemnon, Orest, Iphigenie, die Ilias, und schließlich die Odyssee. Und das alles auf weniger als 200 Seiten.
Fazit: Sehr kurzweilig. Auch als kleines Nachschlagewerk geeignet.



Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen. Und wie geht das? Verschiedene Leute reichen die Titel der Bücher ein, die sie im vergangenen Monat gelesen haben bzw. gerade lesen. Sie benoten das Buch – wenn sie wollen – und schreiben eine kleine Kritik – wenn sie wollen. Mitmacherinnen und Mitmacher schicken eine E-Mail an: whoa@gmx.de.

Freitag, 4. September 2009

Was liest du? Die Wahre Bücherliste, September 2009.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Da schreibt einer ein Buch. Ein ziemlich dickes Buch. Und steckt da sehr viel Herzblut rein. Und vor allem ganz viel Zeit. Und auch Geld. Und dieses Buch soll ein ganz großes werden. Und es soll die Herzen vieler Menschen wärmen.

Irgendwann kommt einer und der sagt, dass man alles ganz falsch angefangen habe. Stimmt alles gar nicht mit den Normen eines Buches überein – obwohl der Autor, der ja ein sehr penibler ist, gerade darauf immer geachtet hat. Und jetzt muss der Schreiber alle Seiten verbrennen, einstampfen oder zerreißen.

Pech gehabt? Schade um das Buch? Das nächste, bitte?!? Hoffen wir, dass das niemals einem Autor passiert. Wär doch einfach zu schade.

Nun denn. Die Bücher auf der diesmonatigen Bücherliste sind davon gottlob nicht betroffen. Here we go!

BELLETRISTIK

1. David Foster Wallace: Unendlicher Spaß (oW)

2. Klaus Hoffmann: Der Mann, der fliegen wollte (5)
Grau-en-haft. Ich habe es nach etwas mehr als der Hälfte aufgegeben. Und das passiert mir sonst nininieeeeeee. Der Mann sollte lieber nur Musik machen, dabei ist er wirklich genial, aber das Buch? Zeitverschwendung, Seite für Seite.

3. Sylvia Plath: The Bell Jar (2+)
Ein bittersüßes Buch, vor allem wenn man sich parallel dazu ein wenig mit dem Leben der Autorin beschäftigt. Doch es geht eine Magie von ihren Wortwelten aus, der man sich nur zu gerne öffnet.

4. Ken Follett: Paper Money (3+)

5. Rebecca Gablé: Das Spiel der Könige (2-)

6. Carlene Thompson: Heute Nacht oder nie (2+)

7. Doris Lessing: Der Sommer vor der Dunkelheit (2)
Die ersten 80 Seiten haben sich flott weggelesen. Viele interessante Gedanken. Ich hoffe, es bleibt so.

8. Georg Haderer: Schäfers Qualen (3)
... der Prolog war zum Augenbrauen hochziehen; dann fing es sehr gemächlich an und inzwischen geht es ganz gut voran. Ein Polizeimajor wird in sein Heimatdorf gerufen um eine Mordserie aufzuklären. Er ist gut und er weiß es und nebenbei macht er sich in einigen Situationen lächerlich.

9. Maj Sjöwall und Per Walhöö: Die zehn Romane mit Kommissar Martin Beck (oW)
Das sind ja inzwischen ganz alte Kamellen. Habe die zehn Krimis jetzt zum dritten Mal gelesen (das erste Mal ist zwanzig jahre her) und mag sie noch immer, obwohl sie langweilig sind und obwohl das ewige Lamento darüber, wie schlimm es um die Gesellschaft steht (Schweden, 1964 bis 1974) ziemlich nervt. Man liest das Ganze jetzt mit einem historischen Interesse und ist gerührt darüber, dass die Leute Wählscheiben drehen, wenn sie telefonieren. Eine Note kann ich nicht geben. Als Krimis sind diese Geschichten viel zu unspannend und literarisch sind sie äußerst anspruchslos. Aber sie haben eben einen seltsamen Charme.

10. Oliver Pötzsch: Die Henkerstochter und der schwarze Mönch (2++)
Der Auor entstammt einer langen vorfahrenreihe von henkern und Schafrichtern. Über seinen Urahn Jakob Kuisl und dessen Tochter Magdalena ist dies schon das zweite Buch. Und für einen historischen Roman wirklich hervorragend! Fundiert, vielschichtig, glaubwürdige, originelle Protagonisten, sehr gutes Storyboard, überraschende Wendungen und - Humor! Empfehle ich gernstens weiter. Ich hätte auch fast nei 1 gegeben ...

11. Anke Clausen: Dinnerparty: Sophie Sturms zweiter Fall (4)
Hach, der Klappentext las sich so urlaubs-passend! Ein Krimi, der in Hamburg und auf Fehmarn spielt, mit einer Promi-Redakteurin in der Hauptrolle und vielen Anlehnungen an meine Lieblingssendung "Das perfekte Promi-Dinner". Doch meine gespannte Erwartung schrumpfte schon auf Seite 2 zusammen, als die Heldin eingeführt wurde: Ex-Model mit allen dazugehörigen Attributen, einer Wohnung in Blankenese und neben dem Redaktionsalltag viel zu viel Zeit zum Champagner trinken und An-der-Elbe-Entlangjoggen ... Immerhin: Überraschende Auflösung des Falles, deshalb kein totaler Ausfall!

12. Gisa Pauly: Die Tote am Watt - ein Sylt-Krimi (1)
Super Buch! Viel Insiderwissen über Sylt, eine tolle Heldin (die italienische Schwiegermutter des knurrigen Inselkommissars), exzellente Story mit vielen tollen Wendungen. Davon bitte mehr!

13. Susanne Stein: Der Löwe und die Königin (3)
Joa, noch'n historischer Roman. Über Richard Löwenherz. Aber kein Muss.

14. Dolores Hitchens: Wer mit Fremden schläft (oW)


SACHBUCH

1. Sharon Gannon und David Life: Jivamukti-Yoga - Practices for Liberating Body and Soul (oW)
Pflichtlektüre für meine Ausbildung zum Yoga-Lehrer bei Lord Vishnus Couch in Köln. Tolles Buch von zwei der einflussreichsten Yoga-Lehrer im Westen.


Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen. Und wie geht das? Verschiedene Leute reichen die Titel der Bücher ein, die sie im vergangenen Monat gelesen haben bzw. gerade lesen. Sie benoten das Buch – wenn sie wollen – und schreiben eine kleine Kritik – wenn sie wollen. Mitmacherinnen und Mitmacher schicken eine E-Mail an: whoa@gmx.de – alles Weitere dann per Mail.

Samstag, 8. August 2009

Was liest du? Die Wahre Bücherliste im August 2009

Liebe Leserin, lieber Leser,

anscheinend sind alle Bücher im Sommerloch verschwunden. Nicht anders kann ich mir erklären, dass diese Liste so ultrakurz ist. Was aber gar nicht schlimm ist. Beim nächsten Mal wird sie bestimmt wieder länger.

Viel Spaß mit der Wahren Bücherliste im August!

BELLETRISTIK

1. John Harvey: Tiefer Schnitt (3+)
Spielt in den 90er Jahren in London. Mordopfer sind Krankenschwestern, Pfleger, Ärzte. Interessante Polizei-Figuren. Routiniert geschrieben. Es wird nicht besser, aber weglegen möchte ich es auch nicht mehr ...

2. Zoé Oldenburg: Katharina die Große (4-)
Ich fand das Taschenbuch auf dem Altpapiercontainer bei uns um die Ecke und beschloss spontan, mal wieder etwas für meinen Kopf zu tun (nach diversen Frauen-Schund-Romanen in jüngster Zeit). Mein Fazit: Es lag zurecht auf dem Müll. Und Katharina die Große war eine superunsympathische Kotzkuh, die aber *seufz* auch nur Opfer der Umstände war...

3. Carlene Thompson: Im Falle meines Todes
Super gutes Buch! Sehr spannend! Bin noch nicht ganz durch, aber bis Seite 336 gibt`s eine 1 von mir!

4. Abraham Verghese, "Rückkehr nach Missing" (1)
Für alle die auf einen neuen John Irving warten: ein guter Ersatz. (Im Nachwort wird auch erklärt warum: der Autor ist mit Irving befreundet und hat seine Schreibkurse besucht) Aber das tut der Geschichte keinen Abbruch, in deren Mittelpunkt ein Zwillingspaar steht und deren Geburtskrankenhaus, dem Missing. Die Mutter, eine Nonne, verstirbt bei der Geburt und der Vater, ein begnadeter Chirurg, flieht aus dem Krankenhaus - diese Geburt hat ihn mehrfach überfordert. Und das Missing in Äthiopien wird das Zuhause der Zwillinge, die vom moralischem Gesichtspunkt her gesehen, ganz unterschiedlich sind.

5. Zeruya Shalev: Liebesleben (oW)


SACHBUCH

FEHLANZEIGE


Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen. Und wie geht das? Verschiedene Leute reichen die Titel der Bücher ein, die sie im vergangenen Monat gelesen haben bzw. gerade lesen. Sie benoten das Buch – wenn sie wollen – und schreiben eine kleine Kritik – wenn sie wollen. Mitmacherinnen und Mitmacher schicken eine E-Mail an: whoa@gmx.de – alles Weitere dann per Mail.td>

Dienstag, 7. Juli 2009

Was liest du? Die Wahre Bücherliste, Juli 2009.

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn ich ehrlich bin, mag ich es auch sehr, wenn diese Bücherliste nicht so prall gefüllt ist, wenn ich noch den Überblick behalten kann. In diesem Sinne ist diese Liste sehr gelungen. Und es sind nicht nur Sommer-Lesebücher dabei.

Viel Spaß mit der Wahren Bücherliste im Juli!


BELLETRISTIK

1. Thomas Mielke: Colonia – Roman einer Stadt (4-)
Es wird nicht besser, aber weglegen möchte ich es auch nicht mehr ...

2. Andrea Maria Schenkel: Bunker (Note 2)
Ein dünnes Buch (122 Seiten), wie immer bei Frau Schenkel (siehe: “Tannöd”, das verfilmt wurde), aber ein durchaus spannender Krimi. Es braucht schon einige Seiten, um dem ständigen Erzählerwechsel folgen zu können und zu verstehen, worum es überhaupt geht. Kein Buch für den Urlaub, sondern eher für einen spannenden Leseabend oder einen verregneten Sonntagnachmittag auf der Couch.

3. Sophie Kinsella: Kennen wir uns nicht? (1+)
Ich hatte eine Woche Urlaub und kam endlich wieder zum Lesen - und was liegt näher als ein weiterer heiterer Roman meiner Lieblingsautorin im seichten Bereich? Und wie immer hat Frau Kinsella mich nicht enttäuscht. Überzeugende Story mit guter Wendung, flott geschrieben, witzig, aber nicht bemüht komisch.

4. Fred Vargas: Im Dunkel der Nacht (1)
Wieder ein großartiger Adamsberg-Roman. Wie sie das schafft, dieses eigentlich doch alberne Werwolf-Thema zu inszenieren, fand ich toll: schaffe glaubhafte Charaktere und der Leser ist dein Freund!

5. Fred Vargas: Die Diva von St. Jaques (1-2)
Tja, was soll ich sagen: Sehnsucht nach Frankreich?

6. Sarah Kuttner: Mängelexemplar (4)
So ein doofes Quasselbuch, nervtötend (jeder Satz eine erzwungene Pointe, ein Krampf), ab Seite 15 habe ichs nur noch quergelesen, in der Hoffnung, auf etwas Unterhaltsames zu stoßen - vergeblich. Naja, war vielleicht auch blöd, es überhaupt in die Hand zu nehmen (aber das Cover war so toll).

7. Carolina de Robertis: Die unsichtbaren Stimmen (oW)
Und noch ein (zukünftiger) Bestseller: Hat jemand es geschafft, über Seite 10 hinauszukommen - und kann mich zu einem weiteren Versuch motivieren?

8. Sven Regener: Neue Vahr Süd (oW)

9. Monika Maron: Stille Zeile Sechs (2)

10. Katrin Seglitz: Der Bienenkönig (3)
Bei dem Buch bleibt mir nur zu sagen: Jaja, die Familie und die verschiedenen Sichtweisen des Rechthabenwollens.

11. Leonard Reinirkens: Die kulinarischen Abenteuer des Fra Bartolo (2-)
Als die Olivenbäume seines Klosters in einem Winter alle erfroren sind, wird der Olivengärtner “Fra” Bartolo ausgeschickt, neue Sprösslinge zu besorgen. Auf seiner Reise gerät er in viele Abenteuer, die alle damit enden, dass gekocht und gegessen wird.
Selten wurde wohl mit soviel Liebe und Begeisterung über Lebensmittel, das Kochen und das Essen geschrieben. Keine große Weltliteratur, aber unterhaltsam und appetitanregend.


12. Martin Suter: Richtig leben mit Geri Weibel (1-2)
Geri Weibel ist Stammgast in der SchampBar, dem Szenelokal der Stadt. Er bemüht sich, Trends frühzeitig zu entdecken, um dabei zu sein, und gleichzeitig, Fettnäpfchen aus dem Weg zu gehen. Beides gelingt mehr schlecht als recht. Durch Geri Weibels Gedankengänge und die zuweilen komischen Pointen der Episoden wird die Trendgesellschaft in Frage gestellt, ohne moralisierend zu wirken. Unbedingt lesen!

13. Pascale Anja Barmet: Chinesische Ernährungslehre (2)
Dieses Buch habe ich im Juni zu lesen angefangen (Kommentar, wenn ich es fertig gelesen habe).

14. Sibylle Weischenberg: Ich hasse den Sommer (4-5)
Eine Frau schreibt für jeden Monat ein Kapitel, was daran schlimm für sie ist. Abgesehen von den platten Klischees hat mich die niveaulose Sprache ebenso gestört wie die Rechtschreib-, Grammatik- und Syntaxfehler. Weiter als bis April bin ich nicht gekommen. Werde ich auch nicht. Ich hatte es in der Hand, habe aber aufgegeben, es fertig lesen zu wollen.

15. Stieg Larsson: Verblendung (oW)



SACHBUCH

1. Stefan Rahmstorf und Hans-Joachim Schellnhuber: Der Klimawandel: Diagnose, Prognose, Therapie (4)
1.Teil: Der Klimawechsel wissenschaftlich fundiert und verständlich erklärt. 2. Teil: Die Schlüsse willkürlich, einseitig und nicht überzeugend gezogen.

2. Hannah Lothrop: Das Stillbuch (2)


Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen. Und wie geht das? Verschiedene Leute reichen die Titel der Bücher ein, die sie im vergangenen Monat gelesen haben bzw. gerade lesen. Sie benoten das Buch – wenn sie wollen – und schreiben eine kleine Kritik – wenn sie wollen. Mitmacherinnen und Mitmacher schicken eine E-Mail an: whoa@gmx.de – alles Weitere dann per Mail.td>

Samstag, 6. Juni 2009

Was liest du? Die Wahre Bücherliste, Juni 2009.

Ach, manchmal denke ich, dass wir manchmal Perlen vor die Säue schütten. Die Leserinnen und Leser machen sich richtig Gedanken über die Bücher, die sie lesen, und vielleicht interessiert das gar keinen. Was natürlich schade wäre. Drum hoffe ich ein klein wenig, dass die Wahre Bücherliste kein Selbstzweck ist. Sondern ganz tolle, noch nie dagewesene Kommunikation über das, was immer noch richtig spannend ist: Bücher.

Also dann, auf zu den Büchern, die in diesem Monat unbedingt besprochen werden wollten! In Grün wie immer die Kommentare der Leserinnen und Leser!

Viel Spaß!

BELLETRISTIK

1. Ildefonso Falcones: Die Kathedrale des Meeres (1)
Eine wunderschöne Geschichte, die im 14. 14. Jahrhundert in Katlonien spielt. Ein sehr guter Geschichtsroman über die Macht der katholischen Kirche im Mittelalter, über die Grausamkeit der Inquisition und das Leiden des Volkes unter der Willkür des Adels. Es ist eine von diesen Büchern, die einen, obwohl es über 600 Seiten hat, zu kurz vorkommen.

2. Christoph Schlingensief: So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein (oW)
Ich bin noch nicht durch mit dem Buch, bis jetzt gefällt’s mir aber sehr gut. Es gibt Passagen, die in der Tat so wirken, als seien sie direkt in dem Eindruck des gerade Erlebten geschrieben, dann gibt es wieder Passagen, die durchaus inszeniert wirken - was aber nicht schlimm ist. Niemand schreibt vor, wie ein Tagebuch eines Kranken zu schreiben ist - beide Formen haben hier ihre Berechtigung, finde ich.

3. Matilde Asensi: Iacobus (2)

4. Raymond Chandler: Der lange Abschied (2).
Wie konnte mir als Krimifan der Großmeister himself so lange verborgen bleiben? Irgendwie hatte ich Chandler mit alten Scharzweißschinken und Humphrey Bogart als Philipp Marlowe assoziiert und mit dem Vorurteil „nicht zeitgemäß“ abgestempelt. Da muss ich heftig Abbitte leisten. Die Story ist großartig konstruiert und die Sprache ein Traum: kurz, prägnant, lakonisch bis zynisch. Ein Genuss von der ersten bis zur letzten Seite und meine dringende Empfehlung für das Urlaubsgepäck. Zwar keine große Literatur, aber von mir trotzdem eine gute (2) – mehr kann ein Krimi aus meiner Sicht nicht bieten.

5. Markus C. Schulte von Drach: Der fremde Wille (2)
Ein gut recherchierter Thriller. Ich war verblüfft zu erfahren, dass heute noch neue Tierarten entdeckt werden. Und zwar nicht irgenwelche Spinnen oder anderes Kleingetier, sondern Elefanten und Rinder. Das aber nur nebenbei.
Es passieren fünf Morde in München, fünf in Schottland, erst einer, dann mehre Morde in Hawai, einer in den USA - alle mit der gleichen Tötungsart: mit den Händen und den Zähnen. Ein wildes Tier, eine Bestie? Durch den DANN-Vergleich stellt sich heraus: Es sind trotz der exakt gleichen Tötungsart unterschiedliche Täter. Die Lösung ist so unwahrscheinlich nicht.


6. T. C. Boyle: Die Frauen (3-)

7. Lisa Jewell: Ralph's Party (6)
Bei der Lektüre habe ich mich wirklich alle drei Seiten gefragt, wieso ich das Buch nicht einfach zur Seite lege oder noch besser: aus dem Fenster werfe. Aber irgendwie bringe ich es selbst bei wirklich schlechten Ideen, langweiligen Geschichten und uninteressanten Charakteren nicht übers Herz, ein Buch vorzeitig wegzulegen – es könnte ja noch besser werden. In diesem Fall wird es das aber nicht. Meine Neigung für leichte, amüsante Storys im englischen Original für die paar Minuten vorm Schlafen an besonders müden Wochentags-Abenden habe ich bereits gestanden, gute Autoren dafür zu finden ist und bleibt schwierig. Do not read this book!

8. Susann Heinrich: So, jetzt sind wir alle mal glücklich (3-)
Die Autorin entwickelt keine Figuren, sondern Vorstellungen von Menschen und Beziehungen, die in keiner Zeile wirken, als hätten sie etwas mit dem Leben zu tun. Stattdessen bleiben sie eine Auffassung davon, wie unglücklich Liebe macht, wenn sie nicht echt ist. Dabei gaukelt der Roman dem Leser vor, das Problem an diesen falschen Lieben sei ihre Unausweichlichkeit und versteckt sich hinter Phrasen und endlosen, bemühten Vergleichen. In Wahrheit aber haben Heinrichs Protagonisten einfach nur nicht den Mut, ihre Einsamkeit auszuhalten und lenken sich davon ab, wie alleine sie sich eigentlich fühlen müssten in ihrem Scheitern, das sie verletzt und zutiefst irritiert. So bleiben sie seltsam künstlich und fern, wie Stars in einem Hochglanzmagazin – und man hat sie mit der letzten Zeile des Romans bereits vergessen.

9. Jennifer Crusie & Bob Mayer: Agnes and the Hitmann (2)
Als Agnes sich in ihrer Küche gegen einen Mann, der vorgab ihren Hund entführen zu wollen, mit der Pfanne verteidigt – stürzt der durch die Wand in einen der Hausbesitzerin unbekannten Keller. Die passionierte Köchin hofft mit der Leiche im Untergeschoss, niemand werde in ihre Polizeikte schauen und dabei ein Muster entdecken, was die Sache mit der Bratpfanne angeht … und stellt fest, dass ihr Verlobter mal wieder nicht Willens oder in der Lage ist, ihr zu helfen. Dafür ist da plötzlich Shane, der den Auftrag hat, sie zu beschützen, normalerweise aber als Profikiller arbeitet …
Hinter dieser Geschichte stecken zwei Autoren mit zuvor sehr unterschiedlichen Feldern – während Crusie erfolgreich romantische Komödien schreibt, ist Mayer Thriller-Spezialist. Ihr gemeinsames Buch ist witzig, spannend und sexy, die Charaktere lebendig und überhaupt, so möchte man vorm Einschlafen unterhalten werden. Irgendwie verwunderlich, wieso noch keines der Crusie-Bücher verfilmt wurde, aber vielleicht kommt das ja noch.


10. Peter Henisch: Die kleine Figur meines Vaters (1)
“Was ich nämlich der Figur meines Vaters zuschreibe, etwa, daß sie alles, was um sie herum existiert und geschieht, flugs zum Motiv macht, kann ich mir selbst nicht abschreiben. Mir selbst wird nicht nur alles, was um mich herum, sondern auch alles, was in mir existiert und geschieht, zum Motiv. Alles, was ist, denke ich, ist gut, sofern es gutes Material ist. Was dir zum Foto wird, Papa, wird mir zum Text."
Als Peter Henisch seinem Vater Walter ankündigt, ein Buch über ihn schreiben zu wollen, ist der nur scheinbar mürrisch. Bald aber gefällt ihm die Idee, wenn auch getrübt vom Bedauern, dass Heinz Rühmann zu alt sein wird, um ihn in einer möglichen Verfilmung darzustellen. Der Sohn hat seinen Vater, den Kriegsberichterstatter, als kleiner Junge bewundert und seine Geschichten vom Einsatz mit der Kamera aufgesogen. Mit dem Alter kam die Kritikfähigkeit am Vater und damit eine gewisse Ablehnung aber auch ein tiefes Bedürfnis nach Versöhnung. Das Buch atmet diese gemischten Gefühle, auch die Irritation des Sohnes darüber, sich dem Vater zunehmend ähnlich zu fühlen – und sei es nur, weil sie doch beide dokumentieren, der eine mit der Kamera, der andere mit der Schreibmaschine. Beeindruckend ist dabei vor allem, wie offen die Männer über ihre Gespräche lernen, miteinander umzugehen; wie der Vater, am Ende bereits vom Sterben gekennzeichnet, dem Sohn seine Geschichten, auch seine Naivität, damals, anvertraut – und der milde wird gegenüber dem Alten. Unsentimental, und doch sehr berührend: ein ganz, ganz wundervolles Buch.


11. Luis Sepúlveda: La lámpara de Aladino (1)
Superschön.


SACHBUCH

Fehlanzeige


Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen. Und wie geht das? Verschiedene Leute reichen die Titel der Bücher ein, die sie im vergangenen Monat gelesen haben bzw. gerade lesen. Sie benoten das Buch – wenn sie wollen – und schreiben eine kleine Kritik – wenn sie wollen. Mitmacherinnen und Mitmacher schicken eine E-Mail an: whoa@gmx.de – alles Weitere dann per Mail.td>

Samstag, 9. Mai 2009

Was liest du? Die Wahre Bücherliste, Mai 2009.

Bücher lesen. Leviten lesen. Weinlese: Ich will gar nicht groß nach den Gemeinsamkeiten fragen, sondern einfach nur darauf hinweisen, dass mir diesmal kein besserer Einstieg eingefallen ist.

Gerne nehme ich in Kauf, dass ich für diese Plattitüde gerügt – oder meinetwegen auch verachtet werde. Aus gutem Grund: Ich freu mich nämlich sehr, dass ihr, die ihr jeden Monat eure Titel und Kommentare einsendet, die Wahre Bücherliste am Leben haltet! Was wäre ich ohne euch? Ihr seid das Salz in der Suppe. Die Luft für die Liste. Die Linsen in der Suppe. Macht weiter so. Immer wieder. Und lasst mich nicht im Stich.

Und jetzt die Bücherliste! Vorhang auf – voila!

BELLETRISTIK

1. Andreas Brandhorst: Äon (3)
Sonst schreibt Andreas Brandhorst ja Science-Fiction, diesmal einen Thriller. Lesefutter halt.

2. Michael Marshall: Der zweite Schöpfer (3)
Sehr konstruierte Geschichte mit grausamem Ende.

3. T.C. Boyle: World's End (2)
Wie alles vom Meister - prima!

4. John Grisham: The Appeal (2)

5. T. C. Boyle: Die Frauen (2-)

6. Irvin D. Yalom: Der Panama-Hut: oder Was einen guten Therapeuten ausmacht (2)
Mal wieder: ein Buch, das ich irgendwann angefangen und dann weggelegt habe, weil es sich nicht eignete für die abendliche Viertelstunde vorm Einschlafen. Aber bei einer stundenlangen Zugfahrt durch die Republik hat dann der zweite Anlauf geklappt.
Interessant ist Yaloms "szenischer Bericht" über 45 Jahre als Therapeut, die Tücken und guten Seiten, das Verhältnis zu seinen Patienten und die Einsicht, dass er von ihnen beizeiten genauso viel lernen kann wie sie von ihm auf jeden Fall. Unterhaltsam auch und, ja: lehrreich, obgleich wenn das immer nach Mittelstufe klingt. Empfehlenswert.


7. Haruki Murakami: Wie ich eines schönen morgens im April das 100%ige Mädchen sah (4+)
Ach, was soll ich nur anfangen mit diesem Murakami, der von der Rezensionspresse ebenso wie von einer hochbegeisterten Anhängerschaft mit Lobeshymnen überschüttet wird, in denen sich Superlativ um Superlativ das Staffelhölzchen in die Hand geben …
Nach "Gefährliche Geliebte", das ich so gar nicht mochte, zunächst "Norwegian Wood" – auf Englisch, weil die englischen Ausgaben seiner Werke angeblich oft besser übersetzt sind. Das zumindest gefiel, irgendwie. Nun Kurzgeschichten – die waren gar nicht mein Fall. Von insgesamt neun mochte ich zwei, keine gute Quote.


8. Christoph Schlingensief: So schön wie hier kanns im Himmel gar nicht sein (3+)
Gemein ist das Gefühl, dass es sich irgendwie verbietet, über das "Tagebuch einer Krebserkrankung" negativ zu sprechen. Also stelle ich das Positive voran: Ich mochte den Titel wahnsinnig gerne … Und sicher greift Schlingensief Themen auf in seinem Buch, die es mehr als verdienen, so vor allem die Frage nach dem Umgang der Gesellschaft mit ihren Schwachen und Kranken. Der Blick in seine Seele, das Öffnen hin zum Leser mit seinen Ängsten, will zumindest mit mir nicht gelingen. Zu oft klingt er nicht authentisch, nicht wirklich bei sich, sondern in Gedanken schon wieder damit beschäftigt, wie werden die Leute darauf reagieren? Das Buch wirkt nie wie ein "echtes Tagebuch", sondern immer wie die Sammlung von Gedanken, die schon im Moment ihrer Entstehung dazu angedacht waren, Publikum zu haben. Schade, irgendwie.

9. Carole Matthews: You drive me crazy. Falling in love can be a bumpy ride (4+)
Ich lese gerne mit Humor gespickte Frauenschnulzen, allerdings bitte auf Englisch. Perfekte Bettlektüre, wenn auch mit hoher Ausfallquote, weil die wenigsten Schriftsteller das mit leichter Hand beherrschen. Und – Matthews gehört leider nicht dazu: Langweilig, klischeebeladen, ohne Sprachwitz.

10. Julia Franck: Die Mittagsfrau (o. W.)

11. Thomas Bernhard: Auslöschung (1)

12. Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon
(2-3)

Das Buch handelt vom Lehrer Raimund Gregorius, der mitten im Unterricht plötzlich seine Klasse verlässt, um sich auf den Weg nach Lissabon zu machen. Er folgt dort den Spuren eines geheimnisvollen portugiesischen Autors. Er entdeckt nicht nur eine spannende Geschichte rund um den Autor und dessen Arbeit und Leben während des diktatorischen Regimes in Portugal, sondern reist auch immer wieder zurück in seine Vergangenheit.
Das Ende soll noch sehr spannend werden, verspricht der Einband, so weit bin ich noch nicht gekommen. Von mir gibt es nur eine 2-3, denn das Thema ist spannend, literarisch bestens in der Wortwahl, doch ein wenig langatmig zu lesen. Man möchte aber doch wissen, wie es weiter geht ...


13. Sven Regener: Neue Vahr Süd (3-)
Über 600 Seiten des norddeutschen Schnacks. Komprimiert aufs Wesentliche gäbe es vielleicht ne nette Kurzgeschichte ... eben halt mal so. Aber eigentlich nach "Herr Lehmann" überflüssig.

14. Judith Hermann: Alice (o. W.)
Eine Note kann ich noch
nicht senden, da ich noch im Buch stecke. Bis jetzt finde ich es auf jeden Fall großartig, das Warten hat sich auf jeden Fall gelohnt.


15. Laura Ruby: Familienbetrieb (2-3)
Ein Roman über Patchworkfamilien, Zweitehen, Scheidungsdramen, Stiefkinder in der Pubertät u. s. w. Das Buch ist geschrieben wie ein französischer Episodenfilm, nur nicht so gut. Geholfen hat mir, dass am Anfang ein Stammbaum abgebildet ist, sonst wäre ich in den Verflechtungen aus Ex-, Noch-, Vielleichtmännern, Kindern und Stiefkindern, Müttern, Ehe- und Zweitehefrauen, Freundinnen, Bekanntschaften und Feindinnen untergegangen.

16. Andreas Eschbach: Eine Billion Dollar (2)

17. Raymond Chandler: Der lange Abschied (o. W.)

18. David Foster Wallace: Der Besen im System (3-4)
Ich muss gestehen, ich bin immer noch nicht weiter. Das spricht wahrscheinlich so gar nicht für dieses Buch, obwohl ich irgendwo gelesen habe, dass es ganz toll sein soll. Ich versuche dran zu bleiben und irgendwann sagen zu können: Ich habe es geschafft, obwohl ich natürlich der festen Überzeugung bin, dass ich Bücher nicht durchlesen muss. Ich kann sie auch einfach ins Regal stellen und dann können sie dort weiterleben. Aber mittlerweile habe ich Angst vor dem Aufstand der ungelesenen Bücher, die sich über mich als Leser hermachen werden, weil ich eher ein Nicht-Leser bin.


SACHBUCH

1. Kress-Verlag: Kress Köpfe 2005/2006 (4)
Viele Köpfe dabei, die kein Mensch kennt.

2. Sabine Streich: Videojournalismus (2)
Leicht verständlich geschrieben.

3. Markus Körner: Geschäftsprojekte zum Erfolg führen (4)
Macht auf mich einen unstrukturierten Eindruck. Ist sehr theoretisch. Und überdies voll mit Rechtschreibfehlern.

4. Christian E. Elger: Neuroleadership (4)
Langweilig. Scheint auch nichts Neues zu enthalten und wiederholt sich.




Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen. Und wie geht das? Verschiedene Leute reichen die Titel der Bücher ein, die sie im vergangenen Monat gelesen haben bzw. gerade lesen. Sie benoten das Buch – wenn sie wollen – und schreiben eine kleine Kritik – wenn sie wollen.

Dienstag, 7. April 2009

Was liest du? Die Wahre Bücherliste, April 2009.

In was für einer Zeit leben wir eigentlich? Was ist mit dieser Jugend los? Was soll denn da noch kommen, wenn heute schon Söhne ihren Eltern Bücher empfehlen? Kann das sein? Darf das sein? Was sind das für Väter? Und was sind das für Söhne? Und irgendwie habe ich das dumpfe Gefühl, dass das kein Einzelfall ist!

Und jetzt die Bücherliste! Und beachten Sie bitte, liebe Leser, wir haben diesmal zwei Sachbücher!

BELLETRISTIK

1. Jakob Wassermann: Der Fall Maurizius (3)
Roman von vor dem 2. Weltkrieg. Sehr ausschweifend erzählt, daher manchmal etwas zäh. Sprachlich aber opulent. Ab und zu ein Wort, das wir heute so nicht gebrauchen. Interessante Mischung.

2. Bernhard Schlink, Der Vorleser (2)
Habe den Film gesehen und mir daraufhin nochmals das Buch vorgenommen. Es ist klar, warum der Vorleser mittlerweile sogar zur Schullektüre geworden ist: Die Story ist gut gebaut und vor allem die Konstruktion ist für den Leser schön sichtbar. Die Sprache recht einfach. Trotzdem behandelt das Buch ein wichtiges, übergreifendes, menschliches Thema: Schuld.

3. Eoin Colfer: Artemis Fowl (1)
Empfehlung meines Sohnes. Trolle, Elfen, das Erdvolk, Butler und ein sehr „böser“ und doch charmanter Protagonist zwischen James Bond und Dr. No. Zum Weiterempfehlen und Weiterlesen.

4. David Baldacci: The Whole Truth (2)

5. Samuel Hazo: The Pittsburgh that stays with you (2,5)
Bis zum Ende sehr plötzliche inhaltliche Übergänge. Aber sonst ganz interessant.

6. Iny Lorentz: Die Wanderhure (2)
Keine große Literatur. Aber gut zum Weglesen.

7. Silke Scheuermann: Reiche Mädchen (4)
Keine Ahnung, warum das Buch so heißt. Und die Geschichten, tja. Schade, dass die Protagonistinnen so naiv, dumm, hilflos und traurig sind.

8. Michael Marshall: Der zweite Schöpfer (3)
So viel kann ich noch nicht sagen. Außer, dass es ziemlich brutal ist.

9. David Gilmore: Unser allerbestes Jahr (5)
Der Sohn hat keine Lust mehr auf die Schule zu gehen, Papa sagt ok, wenn du ein Jahr lang mit mir Filme anschaust, die ich aussuche, mache ich mit. Eine spannende Buchidee, interessante Möglichkeiten für Vater-Sohn-Beziehungen, interessante Filme kennen zu lernen, Philosophieren über Gott und die Welt - jedoch, nach der Hälfte fand ich das Buch nur noch langweilig. Noch nicht einmal zum Aufregen spannend genug. Nach meinen Erwartungen und Meinung: Thema verfehlt.

10. Charlotte Roche: Feuchtgebiete (2-3)
Ja, ich geb’s zu, ich habe es endlich gelesen. Bedingung war, kein Geld dafür auszugeben ... Ist doch ein interessanter kleiner Roman. Und gefühlte Hundert Jahre nach Norman Mailer und dem Wendekreis des Krebses und solchen Männerbüchern bin ich fast ein wenig ratlos, warum das jetzt sooo ein Aufreger war. Viel Po, Pups und Pubertätsideen - und lustig ist doch die Vorstellung, was die Koreaner, Japaner, Amerikaner usw. demnächst als deutsche Literatur kaufen werden.

11. T. C. Boyle: Frauen (2)
Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass es nicht gerade sein bestes Buch ist, aber es bekommt hinten raus doch ziemlich viel Tempo und ist voller eindrucksvoller Szenen, die lange haften bleiben. Natürlich werden die Fiesen wieder perfekt in Szene gesetzt, das ist sehr unterhaltsam. Aber ob jemand all diese Fußnoten liest?

12. Enid Blyton: Fünf Freunde und der Zirkus der Abenteuer (3)
Nach unserer Hals-über-Kopf-Einweisung in die Kinderklinik bekam ich kein anderes Lesefutter in die Hände ... War mal wieder ganz witzig (aber ein haarsträubend vorhersehbarer Plot, ts ts ts ...)

13. Thomas Bernhard: Beton (1)
Zu Thomas Bernhard kann man ja leider keinen Kommentar abgeben, ohne sich zu blamieren. Also kommentarlos mit vielen Grüßen herzlichst.

14. David Foster Wallace: Der Besen im System (3-4)
Wann komm ich denn schon mal zum Lesen? Abends, wenn ich müde bin. Ansonsten wohl eher nicht. Und da soll mir der Autor das mal nicht übel nehmen, das ich seinem Plot, geschweige denn seiner Story folgen kann. Vor allem, wenn dieses Buch anfängt wie ein Teenager-Roman. Und ich bei den ersten Seiten das Gefühl hatte, gleich kommen ein paar gut gelaunte Cheerleaders um die Ecke und nehmen den Autor gefangen. Aber wie gesagt, ist nur so ein Gefühl. Danach wurde es ja etwas ernster. Vielleicht liegt das alles ja daran, dass dieser Roman aus seiner Abschlussarbeit an der Universität Arizona entstand? Ach ja, sollte ich noch sagen: Ich noch nicht fertig mit dem Buch.


SACHBUCH

1. Christian E. Elger: Neuroleadership (4)
Langweilig. Scheint auch nichts Neues zu enthalten und wiederholt sich.

2. Paul Preston: La Republica asediada (Die belagerte Republik) (1)
Es ist erstaunlich, dass die meisten fundierten und wegweisenden Forschungen über den spanischen Bürgerkrieg nicht aus Spanien selbst kommen. Der Konflikt ist einfach noch zu präsent in der Gesellschaft. So wie es beschlossen worden ist, kein Tribunal über die Verbrechen der beiden Parteien ins Leben zu rufen, um den fragilen Frieden nicht zu gefährden, so gibt es so gut wie keine wissenschaftliche Aktivität zum Thema im Land. Nicht so im Ausland. Die Briten sind wohl federführend in dem Gebiet. Paul Preston - ein Spezialist in der neuesten spanischen Geschichte - hat mehrere Artikel seiner Landsleute in einem spannenden Band zusammengeführt. Der erste Teil beschreibt die Reaktion wichtigster europäischer Länder auf die Geschehnisse in Spanien in den Jahren 1936-1939. Der zweite ist eine gründliche Analyse des Krieges und der ihn begleitenden Gewalt. Wen Geschichte interessiert, muss es lesen. (Originaltitel: The Republic Besieged: Civil War in Spain 1936-1939)



Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen. Und wie geht das? Verschiedene Leute reichen die Titel der Bücher ein, die sie im vergangenen Monat gelesen haben bzw. gerade lesen. Sie benoten das Buch – wenn sie wollen – und schreiben eine kleine Kritik – wenn sie wollen.

Samstag, 7. März 2009

Was liest du? Die Wahre Bücherliste, März 2009.

Liebe Leserin, lieber Leser,

der Februar scheint sehr kurz und mit viel Abwechslung gespickt gewesen zu sein. So wenige Einsendungen gab es schon lange nicht mehr. Sollte allerdings für all die, die sich diesmal zurückgehalten haben, ein kleiner Ansporn sein.

Und here we go: Das ist die Liste für den März, in Grün wie immer die Kommentare der Leser. Viel Spaß!


BELLETRISTIK

1. Helen Walsh: Millie. (5,5)
Eines der blödesten Bücher, die ich je gelesen habe. Inhalt doof bis eklig, Sprache auch nicht besonders toll.

2. Samuel Hazo: The Pittsburgh that stays within you (2)
Ganz nett, aber nicht grade einfach zu verstehen.

3. Tilmann Rammstedt: Der Kaiser von China (3)
Bestsellerlisten-Reinfall: Was ist denn das für ein lahmer Humor? Geht es nur mir so, dass mir dieser hundertste Loser dieses Jahrzehnts mit seinen abwegigen Phantasien von Kingsize-Women und ihrer erotischen Ausstrahlung nur ein müdes Lächeln abringt? Und warum bekommt man dafür den Bachmann-Preis? Bin ich blind? Habe ich das falsche Buch gekauft?

4. T.C.Boyle: Frauen (oW)
Ich lese schon seit Wochen, das ist noch nie vorgekommen bei einem Boyle. Die Ingredienzien stimmen, wie immer. Ich hoffe noch auf mehr Tempo und spannendere Entwicklung in der zweiten Hälfte.

5. Fiona Campbell: Eine kurze Geschichte des Scheiterns auf Japanisch (2-3)
Okaye Unterhaltung und gute Darstellung von Japan, wie man es aus „Lost in Translation“ und von Murakami kennt: So ein Hauch Surreales ist fein, ansonsten merkt man, dass die Autorin eben Amerikanerin ist und eine Geschichte zu entwickeln weiß.

6. Charlotte Link: Das Echo der Schuld (1)
Bin gerade bis zur Hälfte und würde es bisher mit der Note 1 beurteilen.

7. Lorna Martin: Woman on the Verge of a Nervous Breakdown: Life, Love and Talking It Through (2+)

8. Andrew Davidson: Gargoyle (4)
Wer aufgrund des Titels vermutet, es handelt sich um Fantasy oder Ähnliches, liegt völlig falsch. Wer wissen will, wie es sich für einen Menschen anfühlt, zu verbrennen und wie es dann auf der Intensiv ist, gemixt mit einer Frau, die ihren Mann über Jahrhunderte (!) gesucht hat und ihn dann von Selbstmordgedanken nach dem Verbrennen abzubringen versucht, für den mag es ok sein. Ach so, sie bringt sich dann selbst um, passenderweise geht sie ins Wasser. Oder war es nur ein Engel, der ein Menschenleben gerettet hat?

9. David Safier: Mieses Karma (2)
Bekommt eine 2, weil: Für eine 1 versucht der Autor zu sehr, lustig zu sein. Weniger hätte auch genügt. Musste trotzdem an einigen Stellen echt laut lachen! Witziges Buch für Zwischendurch mit ein paar echt skurrilen Ideen.

10. Thomas Mielke: Colonia: Roman einer Stadt (4)

11. Thomas Mann: Der Zauberberg (2)
Meinem Januar-Kommentar habe ich bloß hinzuzufügen: Die Zeit mit Hans Castorp in der Bergwelt war schön, aber der Abschied war auch erlösend. Ein paar hundert Seiten mehr und man würde meschugge.


SACHBUCH

1. Kress Köpfe 2005/2006. Die wichtigsten Manager in Medien und Werbung (4)
Statt Infos zu den einzelnen Personen wären Infos zu den Unternehmen sinnvoll.


Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen. Und wie geht das? Verschiedene Leute reichen die Titel der Bücher ein, die sie im vergangenen Monat gelesen haben bzw. gerade lesen. Sie benoten das Buch – wenn sie wollen – und schreiben eine kleine Kritik – wenn sie wollen.

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