Sonntag, 8. Februar 2009

Was liest du? Die Wahre Bücherliste im Februar 2009.

Ganz schön viele Bücher wieder dabei. Haben wieder viele viele Leute mitgemacht. Besten Dank, dass ihr mich immer noch mit so vielen Einsendungen versorgt. Und jetzt die Liste:

BELLETRISTIK

Franz Josef Strauß: Die Erinnerungen (oW)
Springt viel thematisch und in der Zeit, muss man sich erstmal dran gewöhnen. Trotz aller Kritik an seiner Art war er natürlich eine extrem schillernde und interessante Person der Zeitgeschichte. Das Buch scheint einen guten Abriss über die politische Geschichte der BRD bis 1989 zu geben, natürlich parteipolitisch gefärbt, aber mit schönen Anekdoten.

Stephenie Meyer: Breaking Dawn (2)

Carlos Ruiz Zafón: Der Schatten des Windes (1)

Cecilia Ahern: Ich hab Dich im Gefühl (4)


Kerstin Duken: Jahrhundertsommer (2)


Gwendoline Riley: Cold Water (3-)
Nach langem Liegen-Lassen wieder aufgenommern und zu Ende gelesen, diesmal. Und sogar, vor dem Zu-Ende-Lesen, nochmal von vorne damit angefangen, um eine reelle zweite Chance zu geben. Immerhin wird das Buch, das in England schon 2002 erschienen ist (auf deutsch 2008), auf der Insel gefeiert und der Autorin eine ganz neue, besondere Stimme zugesprochen. Weswegen ich es, obwohl erst im letzten Jahr entdeckt, extra und begierig im Original bestellt habe. Bloß ... ich finde die neue Stimme nicht. Ja fein, die Protagonistin ist Anfang 20 (wie - Überraschung - zum damaligen Zeitpunkt auch die Autorin) und kommt nicht klar, geht dagegen mit Alkohol an, mindestens, vielleicht ein paar Drogen, dazu ein bisschen Sex, der bedeutungslos anfängt, aber ... Hm. Riley hat ihre Hausaufgaben gemacht, sie zitiert Größen der Popmusik und Literatur und hat offensichtlich deren Biographien verinnerlicht. Vielleicht hat sie neben einem respektablen Musikgeschmack auch eine nette Schreibe, aber sensationell ist das nicht, nein.

Peter Henisch: Die kleine Figur meines Vaters (2+)
Bin noch mitten im Lesen, aber es ist jetzt schon ganz wunderbar. Eine Liebeserklärung ohne Verklärung, eine Wutrede ohne Hass. Ein Sohn reflektiert über seinen Vater, der während des Krieges als Fotograf unterwegs war und verwebt Weltgeschichte mit persönlicher Erinnerung. Groß!

Nick Hornby: A long way down (2,5)

Nett geschrieben, hat manchmal Längen und ein blödes Ende.

Nina Bawden: Kunst der Täuschung (2)

Unterhaltsam - wenn auch zu Beginn nicht einfach, reinzukommen.

Günther Dahl: Heute schon gelebt? (2,5)

Ganz nette Geschichtchen.

Thomas R. Mielke: Colonia: Roman einer Stadt (3)
Ein Buch über die Schönstestadtderwelt.

John Grisham: Playing for Pizza (3)

Ein Grundverständnis für American Football vorausgesetzt (und für alle die mit Italienern Kontakt haben): Ein sehr amüsantes Buch.

Thomas Mann: Der Zauberberg (2)
Auf die Gefahr hin, dass alle dieses kanonische Werk längst kennen, gebe ich einen Kommentar: Ein prima Buch für mich und andere, die superlange Erzählungen mögen, in denen so gut wie nichts passiert. Das Buch ist wie ein etwas zu farbiges Ölgemälde, das immer wieder neu mit sich selbst übermalt wird.


Daniel Kehlmann: Ruhm (oW)
Daniel Kehlmanns erster Auftritt nach seinem Mega Best- und Longseller "Die Vermessung der Welt". Der Titel der handwerklich gekonnt und verschachtelten Episoden heißt "Ruhm – Ein Roman in neun Geschichten". Und ich habe sie gelesen – alle neun. Und nachdem ich das Buch zugeklappt habe, wusste ich nach zwei Minuten nicht mehr, was ich da gelesen habe. Ich bin verwirrt. Oder bin ich nur in die nahe liegende Erwartungsfalle getappt? Keine Ahnung. Ich werde dieses Buch mit Sicherheit ein zweites Mal lesen. Irgendwann.

T.C. Boyle: America (2)
Da sieht man mal wieder, wie gut es ist, ab und zu seine Bücher zu entstauben. Eben bei dieser Tätigkeit stolperte ich über den guten alten und kaputten T.C. Boyle. Um genauer zu sein, über seinen Roman "The Tortilla Curtain" – für den deutschen Buchmarkt total bescheuert übersetzt mit "America" aus dem Jahr 1995. Der Roman handelt von mexikanischen Einwanderern in den USA. Für diesen Roman erhielt er den renommierten "Prix Médicis Étrangern". Zu Recht, wie ich meine. Ich kann mir keine schonungslosere literarische Gangart zu diesem leidvollen Thema vorstellen. Boyle schafft es wie kein Zweiter, den Leser zum Kochen zu bringen. Vor Wut – und vor Empathie. Große Geschichte.

Simon Beckett: Leichenblässe (2)
Danke, Schwesterchen – nachdem ich dir im letzten gemeinsamen Familienurlaub unter Androhung von Kloppe "Die Chemie des Todes" von Simon Beckett abgerungen – und anschließend verschlungen habe, bin ich komplett infiziert. Kein Wunder, dass ich danach sofort "Kalte Asche" und jetzt seinen dritten Roman "Leichenblässe" gelesen habe. Wirklich gut gemachte Schockergeschichten mit viel Glibber, Psychofreaks sowie äußere und innere Wunden. Und das alles – DANKE, Herr Beckett – ohne nervenden Lovestory-Seitenstrang. Das Beste: erstaunliche Wendungen, geschickte Fallen, falschen Fährten und alles, was einen guten Krimi ausmacht. Das ultimative Badewannen-Sofa-Stau-und-mal-eben-zwischendurch-Buch.

Annette Blair: Hexen mögens heiß (3)
Vergnüglich & fluffig & mit Happy End & und zum Verfilmen geschrieben. Eigentllich nicht das, was ich sonst lese, aber ich wollte doch wissen, wie es weitergeht. Für amerikanische Verhältnisse gibt es sogar die eine und andere "sexual explicit"-Stelle.

Zadie Smith introduces: The Burned Children of America (2)
Eigentlich schwer zu benoten, denn das Buch ist eine Compilation von 20 Kurzgeschichten diverser US-Autoren. Jede ist anders. Einige sind gut, andere sehr gut und andere wieder so la la. Ich kannte nur einen: Jonathan Safran Foer, der für einen absurd lustigen Film "Everything Is Illuminated" mit Elija Wood mal eine Vorlage lieferte. Stilistisch hochklassig, sehr angenehm zu lesen. Von der Richtung her sind die Autoren eh Kinder von Updike, nur moderner. So ein leicht angegangener Neorealismus, eventuell mit fantastischen Elementen. Ein tieferer Einblick in die junge Ami-Seele.
Die Hälfte gelesen, schon jetzt zu empfehlen: George Saunders, Judy Budnitz, Jeffrey Eugenides, Dave Eggers.


Michel Houellebecq: Elementarteilchen (oW)
Ganz durch habe ich es noch nicht, aber: Ein Intellektuellen-Buch. Und wie immer, wenn sich Intellektuelle einem Thema nähern, von dem sie nur bedingt was verstehen, wird auf einmal alles monstergroß. Hier ist es das Thema "Ficken". Und so ist es unausweichlich, dass sich die dargestellte Sexualität in die Extreme verzerrt. Entweder man hat gar kein, oder man hat so viel davon, dass es aus dem Ruder läuft. Mal sehen, wie das alles endet.

Stefan Ulrich: Quattro Stagioni (2)
Sehr amüsante, leichte Abendliteratur. Man braucht nicht groß nachzudenken und wird gut unterhalten. Der Autor beschreibt sein erstes Jahr als Auslandskorrespondent seiner Zeitung in Rom. Er beleuchtet das “dolce vita”, aber auch die Schattenseiten der ewigen Stadt und die kleinen und großen Macken ihrer Bewohner.

Carlos Ruiz Zafon: Der Schatten des Windes (3)
Nette Popcorn-Unterhaltung mit einigen interessanten Wendungen.

Zadie Smith: Von der Schönheit (5)

Ich habe nach 120 Seiten keine Lust mehr gehabt. Ist irgendwie nix passiert ... Geht aber vielleicht nur mir so? Eine Freundin hatte es immerhin empfohlen ...



SACHBUCH

Eckart von Hirschhausen: Die Leber wächst mit ihren Aufgaben (1)

Laurent Le Bon: Centre Pompidou-Metz (1)
Ausgezeichnete Dokumentation der Entstehung des ersten dezentralen Centre Pompidou in Frankreich mit fundierten, klar verständlichen Texten und ausgezeichneten Bildern.


Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen.
Und wie geht das? Verschiedene Leute reichen die Titel der Bücher ein, die sie im vergangenen Monat gelesen haben bzw. gerade lesen. Sie benoten das Buch – wenn sie wollen – und schreiben eine kleine Kritik – wenn sie wollen.

Freitag, 9. Januar 2009

Was liest du? Die Wahre Bücherliste im Januar 2009.

Alles neu macht das Neujahr. Was sich wie eine Plattitüde anhört, ist auch eine. Ich entschuldige mich dafür. Und gelobe auch Besserung. Muss aber gestehen, dass ich nicht verstehe, warum manche Leute die Bildzeitung so ernst nehmen. Aber das nur am Rande.

Die Januar-Liste ist nicht viel anders als die Listen davor. Interessant aber, dass diesmal zwei knallharte Klassiker auf der Liste sind. Übrigens kann ich die Leserin des Mann-Romans beruhigen: Es gibt mindestens noch einen weiteren Menschen, der das Buch noch nicht gelesen hat.

Und jetzt viel Spaß mit der neuen Liste! In grün wie immer der Kommentar desjenigen, der das Buch gelesen hat.

BELLETRISTIK

1. Günter Dahl: Heute schon gelebt? (2,5)
Nettes Buch. Aber wenn man’s nicht liest, verpasst man auch nichts.

2. Samuel Hazo: The Pittsburgh that stays within you (3)
Nicht schlecht geschrieben, aber auch nicht ganz einfach. Und eher für Insider.

3. Phyllis Ellis: Die Frauen des Wüstenpalasts - Meine Jahre im arabischen Harem (5)
Eine glatte 5 - das Thema ist super: Als Englischlehrerin lebte die Autorin zwei Jahre mit der saudischen Königsfamilie und lernte, wie das Leben der Frauen in Saudi-Arabien ist. Leider ist das Bucht unheimlich schlecht und langweilig geschrieben, grauenvoll formuliert, schlecht übersetzt und offenbar nie durch die Hände einer Lektorin gegangen. Schlimm. Thema total verschenkt.

4. Tilly Bagshawe: Abgöttisch (2)
Lese ich zurzeit, scheint mindestens eine 2 zu werden - packender Roman über eine Hollywood-Dynastie, die (Überraschung!!) aus lauter Gestörten besteht ... Sehr amüsant.

5. Edgar Noske: Himmel über Köln (3)

6. Wolfgang Schorlau: Brennende Kälte (2+)

7. Wolf Haas: Das Wetter vor 15 Jahren (2)

8. Anna Gavalda: Alles Glück ist nie (2)
Die 2 bekommt der Roman, weil es der Autorin natürlich wieder gelingt, ihre Figuren so anzulegen, dass man sie sehr mag, und irgendwann will man dann auch unbedingt weiterlesen. Ich finde aber, dass dieser Roman Schwächen hat im Vergleich zu den anderen Romanen. Der Titel lässt es schon erahnen: Es wird tendenziell kitschiger. Ganz schön langatmig auch das erste Drittel. Der Protagonist braucht ja ewig, um in Gang zu kommen. Vielleicht ist es auch schon zu sehr in Richtung Verfilmung geschrieben?

9. Katrin Hummel: Gute Nacht, Liebster (2)
Wer wissen will, wie man sich als Partner/-in eines Alzheimerkranken fühlt: Hier steht es. Ganz schön rührend.


10. Haruki Murakami: Norwegian Wood (2)

11. Truman Capote: In Cold Blood (2)

12. Thomas Mann: Buddenbrooks (2+)
Da muss ich wohl nichts zu sagen, oder? Bestimmt war ich die einzige Deutsche, die es noch nicht gelesen hatte.


13. Orhan Pamuk: Das Museum der Unschuld (2)

14. Robert Ludlum: The Parsifal Mosaic (3)

15. Oliver Jeffers: Der unglaubliche Bücherfresser (Note 1 für das Original, Note 2 für die Übersetzung)

16. Leonie Jakobs: Schön macht's nicht, aber glücklich - ein ehrlicher Schwangerschaftsroman (2)
Ein junge Frau schildert sehr kurzweilig und bisweilen mit bissigem Humor, auf jeden Fall aber mit gnadenloser Offenheit die Wochen ihrer ersten und unvorhergesehenen Schwangerschaft. Sicherlich eher Unterhaltung für diejenigen unter uns, die gerade in der gleichen Situation stecken oder zumindest mal gesteckt haben. Das zweite Buch in meinem Leben, das mich im voll besetzten Zug mehrfach hat lauthals lachen lassen! (Das erste war von Jörg Thadeusz „Rette mich ein bisschen: Ein Sanitäter-Roman“ und muss hier außer der Reihe unbedingt erwähnt werden).


17. Stieg Larsson: Vergebung (5)
Oh Herr, vergib' mir, dass ich meine Zeit mit diesem Buch verschwendet habe! „Vergebung“ ist der dritte Band einer Trilogie, die der Autor kurz vor seinem Tod auf den Markt bringen konnte. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob mein negatives Urteil daher kommt, weil ich die beiden ersten Bände nicht kenne – aber das kann es nicht sein. Ein Buch ist ein Buch und muss auch so funktionieren. Vor allen Dingen, weil es sich nicht um eine Fortsetzung handelt. Wie kann man es bitte schön fertigbringen, auf den ersten 15 Seiten 30 Protagonisten vorzustellen? Ich bin überfordert, gelangweilt und das Buch liegt in der Ecke und vergammelt. Wenn ich dann noch die Kritik der BAMS lese, die da behauptet: „Stieg Larssons Romane sind so mitreißend, dass sie eine Gefahr für das öffentliche Leben darstellen. Lesende Menschen werden Fußgängerzonen und Parks besetzen, die Arbeitswelt wird lahmgelegt …“, kann ich mich nur verwundert am Kopf kratzen. So einen peinlichen Verfall ins Superlativ habe ich noch nicht erlebt. Und dabei bin ich Werbetexter – und sonst vor nix fies.


18. Chuck Klosterman: Eine zu 85 % wahre Geschichte (3)
Wer ein bisschen von Musik versteht und zu diesem Thema keinen allzu bescheuerten Geschmack hat, wird dieses Buch mögen. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Typ fährt mit dem Auto quer durch die Staaten – auf dem Rücksitz einhundert ausgewählte CDs für die lange Fahrt – und besucht Sterbeorte berühmter Rock- und Pop-Legenden. Ein bisschen Lovestory dabei, viel Selbstreflexion und sehr viel Gequatsche über Musik. Nett, echt nett.

19. John Niven: Kill your Friends (6)
Dieses Buch ist ärgerlich, und dem Autor kauft man keine Zeile ab! Vielleicht hat es damit zu tun, dass ich seit meiner Jugend sprachlos, bewundernd und angeekelt dem Buch "American Psycho" von Bratt Easton Ellis gegenüberstehe. "American Psycho" ist echt krank. "Kill your Friends" ist dagegen schamlos abgekupferter Mist. "Kill your Friends" ist ein lauer Pups, und John Niven sollte sich schämen, aufmerksame Leser so zu verarschen …

20. Georges Simenon: Band 25 - Maigret und das Dienstmädchen (oW)

21. Matt Ruff: Bad Monkeys (3)
Wurde mir sehr empfohlen, ich kann aber die versprochene Spannung nicht so ganz nachvollziehen. Insgesamt ganz locker geschrieben dieser angebliche Thriller. Aber irgendwie kann mich dieses Verhör mit Rückblenden nicht so ganz überzeugen. Auch die Auflösung am Ende finde ich weniger prickelnd, als ich vermutet hatte. Fuck your Expectations?

22. Dana Spiotta: Eat the Document - Die perfekte Tarnung (2)
Ich bin noch nicht ganz durch, also erst am Anfang, musste aber feststellen, dass mich die unterschiedlichen Erzählperspektiven bzw. Episoden fordern. Dennoch: ganz gut geschrieben diese Geschichte über Mary und Bobby, die ihre Identität verändern müssen, weil sie was Böses angestellt haben.


SACHBUCH

1. Robert Klimke/Manfred Faber: Erfolgreicher Lösungsvertrieb (3)
Gar nicht schlecht geschrieben. Aber langweilige Materie.

2. Jeff Campbell: Lonely Planet USA (2)
Das Buch ist so dick und schwer, dass es alleine wegen des Gewichts nicht einfach zu lesen ist. Ansonsten: typischer Lonely-Planet-Stil. Aber eben komprimiertes und praktisches Wissen auf einen Blick.

3. Frank Nordhausen, Liane v. Billerbeck: Scientology. Wie der Sektenkonzern die Welt erobern will (oW)


Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen. Und wie geht das? Verschiedene Leute reichen die Titel der Bücher ein, die sie im vergangenen Monat gelesen haben bzw. gerade lesen. Sie benoten das Buch – wenn sie wollen – und schreiben eine kleine Kritik – wenn sie wollen.

Samstag, 6. Dezember 2008

Was liest du? Die Wahre Bücherliste, Dezember 08

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Nichtleser,

Deutsch kommt jetzt ins Grundgesetz. Die Schulpflicht für Manager auch. Autos gibt es bald per Konsumscheck. Schöne neue Welt. Dabei fing doch alles so schön an.

Bevor ich also in allzu fiktiven Sammelbecken rumschwurbel, sag ich mir doch: Schuster bleib bei deinen Leisten. Die Wahre Bücherliste wird es auch nach der Wirtschaftskrise noch geben. Oder doch nicht? Na ja, falls nicht, lag es zumindest nicht an mir!

Here we go: die Liste für den Monat November inklusive der Bücher, die aktuell gelesen werden. Ist also alles ziemlich aktuell. Quasi heißer Scheiß. Und jetzt: eins, zwei, drei, weiterlesen!

BELLETRISTIK

1. Martin Suter: Business Class (2)
Eigentlich ist jede Geschichte für sich ganz nett. Da das Buch aber nur aus ganz kurzen Geschichten besteht, ist es äußert kleinteilig. Man kann sich darin nicht verlieren, denn kaum ist man in der Geschichte angekommen, ist sie schon wieder vorbei.

2. Robert Ludlum: The Parsifal Mosaic (3)
Neverending story ...

3. John Dickie - Die Geschichte der Mafia (2)
Fängt ein bisschen zäh an, aber wenn es dann ins 20. Jahrhundert kommt, dann wird es schon cool.

4. Ernest Hemingway: Fiesta (1)
Das Buch habe ich jetzt schon mehrfach gelesen und es ist immer wieder gut. Der typische Hemingway-Held, leicht stoisch und vom Schicksal geschlagen, findet nur in der Natur den Frieden den er sucht. In den zahllosen männlichen Figuren können sich die Männer dieser Welt immer mit einer Facette wieder finden. ;-)

5. Ann Granger: Messer, Schere, Gabel, Mord (oW)

6. Lara Adrian, Gebieterin der Dunkelheit (3)
Lara Adrian hat mit „Gebieterin der Dunkelheit“ einen ungewöhnlichen Vampirroman vorgelegt. Der Text ist eine Mischung aus Fantasy, Horror und Liebesgeschichte.
Adrian erzählt handwerklich sauber, leistet sich keine dramaturgischen Schnitzer, bringt aber auch keinen Lesestoff, der zu Jubelarien hinreißt. „Gebieterin der Dunkelheit“ liest man am besten an einem Wochenende in einem Zug. Vergnügen macht das Buch besonders in der dunklen Jahreszeit, wenn es draußen nicht richtig hell wird, wenn im Zwielicht Vampire möglich scheinen.
Neben den Vampiren spielt die Journalistin Dylan Alexander die Hauptrolle. Sie taucht in die Welt der Vampire ein. Lange wehrt sie sich jedoch zu akzeptieren, dass es Vampire gibt. Für die unglaublichsten Vorfälle, findet sie logische Erklärungen. Aber irgendwann muss sie Rio, einem Vampir, vertrauen und verliebt sich sogar in ihn. Dass Vampire unbemerkt zwischen den Menschen leben, ist für sie nun eine Tatsache.
Aber wie die Menschen tragen auch die Vampire untereinander Machtkämpfe aus: Rio gehört zu den Stammesvampiren, die menschliches Blut nur trinken, ihre Opfer jedoch nicht töten. Andere Vampire morden aus reiner Lust. Dagegen zieht Rio zu Felde und Dylan muss sich entscheiden, ob sie gemeinsam mit ihm den Kampf aufnimmt oder in die Menschenwelt zurückkehrt. Leserinnen und Leser, die literarisch anspruchsvolle Werke bevorzugen, werden von „Gebieterin der Dunkelheit“ enttäuscht sein. Wer aber gerne Genreliteratur liest, wird ausgezeichnet bedient. Fazit: Gute Unterhaltungsliteratur für den schnellen Genuss. Und wer Vampire mag, trifft hier ein paar prächtige Exemplare.


7. Hakan Nesser: Aus Doktor Klimkes Perspektive (2)
Gute Kriminalgeschichten. Allerdings bin ich wirklich sauer auf den Verlag. Auf dem Innen-Titel steht "Roman", es handelt sich aber um Erzählungen. Der Verlag belügt die Leute, vermutlich weil sich Romane besser verkaufen als kurze Erzählungen.

8. Henning Mankell: Die italienischen Schuhe (oW)

9. Cornelia Funke: Tintentod (3)
Ich hatte nach dem Hype um die Bücher mehr erwartet, musste mich durch die Bände mehr so durchquälen.


SACHBUCH

1. Günter Dahl: Heute schon gelebt? (2,5)
Nettes Buch. Aber wenn man’s nicht liest, verpasst man auch nichts.

2. Nils Bickhoff: Quintessenz des strategischen Managements (3)
Interessanter Stoff, aber so viele Fachbegriffe und eine echt trockene Schreibweise.

3. Günter Dahl: Was wären wir ohne uns. Geschichten am Rand (2,5)
Teilweise nette Geschichten. Am Lustigsten ist eigentlich, dass das Buch von 1984 ist und damals der Blick auf die Welt noch ein ganz anderer war, als das heute der Fall ist.

4. Zita West: Schwanger, gesund, glücklich - Die ganzheitliche Begleitung für werdende Mütter (2)
Eine gut strukturierte Ergänzung zu all den Infos, die der Frauenarzt und tausende Bekannte und Verwandte in dieser Zeit parat haben. Zu allen unangenehmen Begleiterscheinungen der Schwangerschaft gibt es zahlreiche Tipps aus allen alternativen Heilrichtungen der Welt (Akupunktur, Akupressur, Homöopathie, Pflanzenheilkunde, etc.) Zudem Ernährungshinweise, Übungen und Erläuterungen zur Entwicklung des Kindes.

5. Annette Kast-Zahn, Hartmut Morgenroth (3): Jedes Kind kann schlafen lernen
Eigentlich hätte man das Prinzip auch auf zwei Seiten erklären können ...

Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen.
Und wie geht das? Verschiedene Leute reichen die Titel der Bücher ein, die sie im vergangenen Monat gelesen haben bzw. gerade lesen. Sie benoten das Buch – wenn sie wollen – und schreiben eine kleine Kritik – wenn sie wollen.

Freitag, 7. November 2008

Was liest du? Die Wahre Bücherliste, November 08

Liebe Leser, liebe Vorleser, liebe Erlöser, liebe Vorgesetzte!

Freitag ist mir was passiert. Da kommt einer und sagt, das Konzept der Wahren Bücherliste, er meint damit diese Liste, in der ihr hoffentlich gleich herumstöbern werdet, sei konzeptionell nicht richtig durchdacht.

SCHLUCK!

Was nun? Ihm erklären, dass er selbst das Konzept nicht verstanden hat? Oder das Konzept noch mal in aller Breite erklären? Oder das Konzept einfach vereinfachen? Nicht viel, sondern nur ein wenig. Oder wird es dann noch komplizierter?

Machen wir es also kurz: Die Liste ändert sich. Und das geht dann so: Im Dezember kommen nur die Bücher auf die Liste, die ihr im November gelesen habt. Im Januar die, die ihr im Dezember gelesen habt. Und so weiter. Also immer rückwirkend. Das versteht jeder.

Jetzt sage bitte niemand, dass es gerade das Schöne an dieser Liste war, dass sie keiner verstanden hat!

Und jetzt viel Spaß mit der Liste in der alten Form, die es ab nächsten Monat nicht mehr geben wird! Was aber beileibe kein Grund zum Trauern ist.

BELLETRISTIK

1. Erlend Loe: Fakta om Finland (2)
Lustig. Mein zweites Loe-Buch nach Doppler. Der Protagonist hat durch dreistes Lügen von der finnischen Botschaft in Oslo den Auftrag ergattert, eine Broschüre über Finnland zu erstellen, um Norwegern einen Besuch dort schmackhaft zu machen. Er verrennt sich dabei hoffnungslos. Seine psychotische Angst vor Wasser steht im Gegensatz zum Schreibstil: Das Buch fließt ununterbrochen, keine Kapitel, kaum Absätze. Und Satzgebäude, wie sie direkt dem Hirn entsprungen sein könnten. Sehr amüsant, wie der Leser seinem Helden beim grandiosen Scheitern zusehen kann.

2. Horst Evers: Die Welt ist nicht immer Freitag (oW)

3. Tanja Kinkel, Säulen der Ewigkeit (4)
Das Buch habe ich letzten Monat auch schon gelesen. Das passiert mir selten und sagt alles. Irgendwie hat das Buch zu wenige Konflikte. Aber einfach aufhören kann ich auch nicht. Deshalb lese ich zwischendurch ein besseres Buch.

4. Volker Kutscher: Der nasse Fisch (2+)
Sehr guter deutscher Krimi. Spielt in Berlin 1929. Hat alle Elemente, die ein Krimi haben muss und bringt schöne Varianten, unter anderem ermittelte der Detektiv gegen sich selbst, ohne dass die anderen es wissen. Guter Stoff.

5. Robert Ludlum: The Parsifal Mosaic (3-)
Es zieht sich ...

6. Henning Mankell: Die italienischen Schuhe (3)

7. Dörthe Binkert: Weit übers Meer (3)

8. Anonymus: Wohin mit Vater? (2)
Wichtiges Buch, das wird uns alle irgendwann betreffen, fürchte ich. Die Sachinfos überschlage ich, die werden dann Nachschlagewerk für den hoffentlich weit entfernten Fall des Falles. Habe aber tatsächlich schon mehrfach Gespräche geführt dazu, seit der Lektüre.

9. Wolfgang Prosinger: Tanner geht. Ein Mann plant seinen Tod (2-3)
Einen seltsam steifen Menschen hat der Autor da aufgetan, der seinen Tod fast schon bürokratisch plant. Na ja, solche gibt es eben auch. Man kommt dem Thema Sterbehilfe aber nicht wirklich nahe. Sehr sachlich alles. Ein gangbarer Weg? Man weiß es nach der Lektüre eigentlich immer noch nicht, ich glaube, weil Tanner so wenig über seine Schmerzen spricht.

10. Helen Dunmore: Der Duft des Schnees
Älteres Werk. Klingt ganz schön kitschig, ist es bisher aber eigentlich nicht. Eher so nachdenklich, es geht um ein inzestuöses Geschwisterpaar (huch!). Na ja, mal sehen.

11. Jewgenij Grischkowez: Das Hemd
Das liegt schon länger da und ich lese immer mal wieder. Echt was für Männer, glaube ich. Frauen aufreißen und 5-Gramm-weise Wodka trinken in Moskau. Ich schlafe immer schnell ein ...

12. Karen Duve: Taxi (2)
Ein Spaß für alle, die noch wissen, wie sich die grauen 80er anfühlten – und ein Muss für alle, die in dieser Zeit ihre Kohle mit Taxifahren verdienen mussten. Die Protagonistin besticht durch ihren verstörenden Mix aus femininen Twen-Sex und feministischen Ausbrüchen. Tja, Charlotte Roche – so kann man begeistern und erstaunen, ohne peinlich zu werden.

13. Charlotte Roche: Feuchtgebiete (5)
Abgesehen von der Tatsache, dass Charlotte Roche ihren Titel von meiner vor 10 Jahren bei Librator erschienen Kurzgeschichte „Namenlose Feuchtgebiete“ geklaut hat, ist das Lesen dieses Buchs so spannend, wie einem Eimer Farbe beim Trocknen zuzusehen. So ist es auch nicht weiter erstaunlich, dass Tante Roger Willemsen dieses Buch über den Klee lobt. Dieser Dampfplauderer hat außer „Deutschlandreise“ auch noch nichts Vernünftiges zu Papier gebracht. Ich mag sie eben beide nicht.

14. Siegfried Lenz: Schweigeminute (2)
Die Liebe ist eine feine Sache und das Wichtigste auf der Welt. Daher sollte man das Schreiben über die Liebe den Menschen überlassen, die wissen, wie sich Literatur anfühlen muss. Lenz kann das. „Schweigeminute“ ist ein latent trauriges und wunderschönes Buch – und neben Max Frischs „Montauk“ mein neuer Klassiker für einsame Stunden. Wer richtig gut drauf kommen will, sollte andere Geschichten lesen.

15. Sven Regener: Der kleine Bruder (oW)
Schon ein bisschen unheimlich, dass auch das letzte (?) Werk der „Lehmann-Trilogie“ so gut „funktioniert“. Egal, ob man vorher die „Neue Vahr Süd“ oder „Herr Lehmann“ gelesen hat – das Buch „Der kleine Bruder“ ist unterhaltsam, hält eine Menge Lacher parat und ist – wie Duves „Taxi“ – ein Spiegel der 80er. Sven Regener ist für mich ein guter Schriftsteller und ein noch besserer Marketingexperte. Chapeau!

16. W. Somerset Maugham: Auf Messers Schneide (2)

17. Günter Dahl: Was wären wir ohne uns. Geschichten am Rand (2,5)
Teilweise nette Geschichten. Am Lustigsten ist eigentlich, dass das Buch von 1984 ist und damals der Blick auf die Welt noch ein ganz anderer war, als das heute der Fall ist.

18. Karen Duve: Taxi (4)
Alle haben es schon gelesen und alle haben es mir empfohlen. Doch ich finde es langweilig. Vielleicht wird es aber noch viel besser, bislang hab ich erst ein paar Seiten gelesen.
Diese Ach-ich-bin-so-antiheldisch-Protagonisten gehen mir jedenfalls sofort auf den Wecker. Und hier im „Taxi“" haben wir ein Paradeexemplar dieser Spezies. Aber ich hör schon auf rumzunörgeln und lese lieber weiter. Irgendwas muss doch dran sein an den ganzen Empfehlungen.


19. Walter Moers, Die Stadt der träumenden Bücher (2)
Hildegunst von Mythenmerz beschreibt seine Jugendabenteuer in der mysteriösen Stadt der träumenden Bücher, in der sich - man glaubt es kaum - alles um Bücher dreht. Selbst Gebäck wird in Buchform gereicht. Er macht sich auf, das Verbleiben eines berühmten Bücherjägers in den Katakomben unter der Stadt aufzuklären und stößt auf unheimliche Viecher, einen Geheimzirkel und die wertvollsten Bücher überhaupt.
Wohl eigentlich als Kinderbuch gedacht, ist die Erzählung ein richtig schöner Schmöker für Abende, an denen man mal nichts von Wirtschaftskrise, Afghanistan, Ypsilanti-Verrat und US-Wahl hören oder sehen will. Wer bereit ist, sich auf eine komplette Fantasiewelt einzulassen, der wird hier fündig. Sehr empfehlenswert.


20. Matt Ruff: Bad Monkeys (oW)
Hab grad erst angefangen zu lesen. Schon nicht schlecht, was da auf den ersten Seiten steht. Soll ja eine Art Thriller sein. Mal sehn, ob der Rest dieses Versprechen einlöst.


SACHBUCH

1. Hetty van de Rijt, Frans X. Plooij: Oje, ich wachse!: Von den 10 "Sprüngen" in der mentalen Entwicklung Ihres Kindes während der ersten 20 Monate und wie Sie damit umgehen können (oW)

2. Nils Bickhoff: Quintessenz des strategischen Managements (3)
Interessanter Stoff, aber so viele Fachbegriffe und eine echt trockene Schreibweise.

3. Michael Burmann, Dr. Rainer Heß, Bernd-Matthias Höke, Kerstin Stahl: Das neue VVG im Straßenverkehrsrecht (3)
Wer die Reform des Versicherungsvertragsgesetzes verpasst hat und wissen möchte, wie neuerdings die Kfz-Versicherung drauf ist, wenn man zum Beispiel bei Rot über die Ampel brettert und einen Vollkaskoschaden verursacht oder besoffen nach einem Unfall abhaut, ist hier richtig. Alle lustigen Einzelheiten über Obliegenheitsverletzungen und Gefahrerhöhung werden kurz und knackig erläutert. Spart zwar nicht den leidigen Kommentar Prölss/Martin, der hier von mir verrissen wurde, ist aber ein Lichtschimmer im Dunkel der Ahnungslosigkeit.


Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen.

Samstag, 11. Oktober 2008

Was liest du? Die Wahre Bücherliste im Oktober 2008.

Meine verehrten Damen und Herren,

da hab ich mich ja bei der Abfrage-Mail für diese Oktober-Bücherliste wohl etwas weit aus dem Fenster gelehnt. Ich bin zwar nicht rausgefallen, muss aber dennoch zugeben, mit den beiden Büchern nicht sehr weit gekommen zu sein. Eins, das dickere, hab ich angefangen, das andere ist schon verbogen, aber reingeguckt hab ich noch nicht.

Umso mehr freue ich mich, dass ein paar verschollen geglaubte alte Bekannte wieder die Liste frequentieren. Weiter so. Ich bin bald auch wieder dabei! Und einen Neuzugang haben wir: Herzlich willkommen, Susanne!

Wie immer gilt: Mit Schulnoten-Benotung in Klammern. Und Leserkommentaren in Grün. Ach ja: Die Zahlen vor den Buchtiteln hab ich nur der Ordnung halber eingeführt.

BELLETRISTIK

1. John Updike: Ehepaare (2)

2. Robert Ludlum: The Parsifal Mosaic (3-)
Es zieht sich ...

3. Tanja Kinkel: Säulen der Ewigkeit (3+)
Historienschinken. Spielt in Ägypten Anfang des 19. Jahrhunderts. Ein Buch, das sich gut lesen lässt, für das man aber einfach mal ein paar Stunden Zeit am Stück haben sollte. Sonst fällt es schwer, in die fremde Welt einzutauchen.

4. Marc Buhl: 375 (2-)
Geschichte eines 40-jährigen Antiquitäten-Händlers, der sich zu erschießen versucht, dabei aber "nur" sein Gedächtnis verliert. Er kann sich nur an die Zeit als Häftling der Stasi erinnern. Er muss sich eine neue Identität aufbauen. Sprachlich gelungen.

5. Tamas Gellert: Der Lasermann (oW)
Umfassende, die zeitlichen Umstände sehr gut beschreibende Biografie des deutsch-schwedischen Serienattentäters und Bankräubers, der die Gegend um Stockholm Anfang der 90er durch seine Jagd auf Ausländer in Angst und Schrecken versetzte. In einer Weise geschrieben, dass man irgendwann den Killer sympathisch findet. Erschreckend. Sehr packend.

6. Greg Iles: Bisswunden (oW)
Nen typischer Ami-Thriller mit zwei parallelen Handlungssträngen und etwas Privatkram der Ermittler nebenher. Spannende Verknüpfungen und geschickt verwobene Auflösung (bin fast am Ende).

7. Gayle Tuffts: Miss Amerika (oW)
Einfach treffend und zum Lachen, wie Gayle die Deutschen sieht und liebt. Auch ihre aufregende Vergangenheit im deutschen Künstler- und Musikermilieu ist immer wieder für Turbulenzen gut. Ich habe sie einmal live gesehen und kann durch die Interpunktion genau hören, wie sie die Texte aussprechen würde. :-) Ich hoffe, dass andere Leser die Ausrufezeichen nicht nerven ... Beschert fröhliche Stunden und Einblicke in die Welt als "Showstar"!

8. Iris Hanika: Treffen sich zwei (5)
Habe ich gekauft, weil es noch das Interessanteste schien von der Shortlist des Deutschen Buchpreises, aber ich fand es langweilig und die Figuren völlig unsympathisch.

9. Stefan Merill Block: Wie ich mich einmal in alles verliebte (2)
Wunderbarer Titel, das musste ich lesen. Und es ist typisch amerikanisch: solide konstruiert, tolle Figuren, die gut in berührende Szenen geführt werden. Der Sachbezug, den so viele T.C.-Boyle-Adepten haben, hätte ökonomischer gestaltet werden können, aber man kann ja blättern. Ach ja: Es geht um Zwillingsbrüder, in den 1920er-Jahren geboren, und um einen Teenager aus unserer Gegenwart, die beide bzw. alle drei eine Alzheimerlinie in der Familie haben und dieser nachforschen - auf die ein oder andere Weise.

9. Daniel Glattauer: Gut gegen Nordwind (1)
Ich habs zugegebenermaßen nicht zum ersten Mal gelesen, aber sooo gerne wieder. Tolle Unterhaltung! Hach, was fürs Herz und zum Lachen, und dabei kein bisschen blöde.


SACHBUCH

1. Osho: Mut: Lebe wild und gefährlich (oW)

2. Jens-Uwe Meyer: Journalistische Kreativität (oW)
Leider kann ich im Moment noch nicht mehr zu dem Buch sagen … Darum keine Bewertung und kein Kommentar



Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen.

Samstag, 13. September 2008

Was liest du? Die Wahre Bücherliste im September 2008.

Wenn ich den Stapel unbearbeiteter Post neben unserem Wohnzimmertisch sehe, wird mir immer komisch. Und ich sage mir: Das kannst du auch noch nächste Woche lesen. Wenn ich nach 14 Tagen wieder auf diesen Stapel schaue, ahne ich, wie Zeit in der Lage ist, sich auszudehnen. Nicht auszudenken, das würde immer so weitergehen. Geht es wohl auch. Und zwar mit dieser Bücherliste, die etwas später online ist, was nicht schlimm ist, weil die nächste Liste dafür etwas früher kommt. Was der Beweis dafür ist, dass sich Zeit auch zusammenziehen kann.

Nun gehet hin und leset. Und wundert euch mit mir, dass Osho gleich zweimal auf der Liste ist. Und dass die Einsender dieser Buchtitel zwei von einander völlig unabhängige Menschen sind.

Wie immer gilt: Mit Schulnoten-Benotung in Klammern. Und Leserkommentaren in Grün.

BELLETRISTIK

• Khaled Hosseini: Drachenläufer (oW)

• Nicole Krauss: Die Geschichte der Liebe (1)
Sehr schönes Buch, sehr nett geschrieben. Manchmal aber verwirrend, wegen der vielen Namen und wechselnden Perspektiven.

• Robert Ludlum: The Parsifal Mosaic (3-)

• Heinrich Mann: Die Vollendung des Königs Henri Quatre (2+)
Dieser Band 2 ist ebenso schön wie Band 1 (Die Jugend des Königs Henri Quatre). Henri ist jetzt endlich in Paris, endlich König, endlich im Louvre. Doch der Louvre ist ein geplündertes Geisterschloss. Und der König ist erschöpft und pleite. Die Geschichte von Frankreichs gutem Herrscher zieht sich, ist aber dicht und sinnlich und passt zu Herbstabenden in Bilk.

• Erlend Loe: Doppler (2)
Sehr lustig. Doppler ist alles zu viel und verkriecht sich einsam im Wald bei Oslo. Sehr bescheuerte Einfälle und amüsanter Schreibstil.

• Jane Johnson: Die zehnte Gabe (3)
Ein Schmöker; wer Kearsley mag, wird diesen auch gut finden.

• Georges Simenon: Maigret und die kleine Landkneipe (oW)

• Paul Bowles: Gesammelte Erzählungen I (1-6)
Schwieriges Buch. Schwieriger Stoff. Schwieriger Autor? Die Geschichten faszinieren. Sie sind auch spannend. Aber dann folgt immer wieder ein Ende, das verstört. Da bist du dann allein gelassen mit der alles vernichtenden Frage: "Was will uns der Autor mit dieser Geschichte sagen?" Ich weiß nicht, ob ich das Buch empfehlen kann. Ich habe auch noch nicht alle Geschichten gelesen. Schlecht ist es nicht. Bis jetzt aber auch noch nicht so richtig gut.


SACHBUCH

• Osho: Mut: Lebe wild und gefährlich (oW)

• Osho: Ego: Von der Illusion zur Freiheit (2)
Streckenweise beeindruckendes Buch, in dem der „Guru formerly known as Baghwan“ (ja, der mit den 99 Rolls Royce) dem Leser den Spiegel vorhält und die Illusion eines eigenständigen Selbst in der Luft zerpflückt. Wenn man sich auf die Gedankengänge einlässt, eröffnen sich ganz neue Perspektiven. Man muss danach nicht als ekstatisch herumhüpfender, in rote Betttücher gehüllter Sannyasin in einem indischen Ashram enden. Kann man aber …

Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen.

Sonntag, 10. August 2008

Was liest du? Die Wahre Bücherliste im August 2008.

Keine versteckten Fragen. Keine versteckten Hinweise. Nur noch Klartext. Zwischen den Zeilen lesen ist nicht mehr. Ab jetzt ist alles eindeutig. Explizit. Und unmittelbar. Absolut direkt. Zielgenau. Und ergebnisorientiert. Also auch ohne Vorgeplänkel. Bringt doch eh nichts.

Die Wahre Bücherliste für den Monat August im Jahr 2008. Mit Schulnoten-Benotung in Klammern. Und Leserkommentaren in Grün.

BELLETRISTIK

• Ken Follet: World Without End (1)

• Chuck Klosterman: Eine zu 85 % wahre Geschichte (2)
Wer auf das Thema Musik kann (sehr viel Bezüge zu Songtexten und Bands, aber das ist unter anderem auch Thema des Buches) und eine tatsächliche Kaskade an guten Ideen, der sollte sich das Buch zur Brust nehmen.

• Muriel Barbery: La elegancia del erizo (1,5)

• Colin Cotterill: Dr. Siri und seine Toten (3)
Vergnüglich. Ein 72-jähriger Arzt wird zum staatlichen (und einzigen) Leichenbeschauer von Laos ernannt. Nun ja, ein Arzt ist nun nicht gerade ein Pathologe, aber es gibt ja die beiden französischen Lehrbücher aus dem Jahre 1948. Und politisch vorsichtig muss man auch sein - erst recht, wenn man ein Schwejk-Verhältnis zu den staatlichen Stellen hat.

• Heinrich Mann: Die Jugend des Königs Henri Quatre (2, für meinen Geschmack, also Vorsicht!)
Toller, langer, seltsamer Ritter-Roman. Das objektiv Historische gibt den Hintergrund: die Jugend Henris in den Pyrenäen, die Glaubenskämpfe, die Hochzeit mit Margot und die Bartholomäus-Nacht. Ein zerrissenes Reich, kranke Könige, verführtes Volk. Wer möchte, kann sich an die Nazis erinnert fühlen, wenn in Paris die Liga das Volk aufpeitscht.
Das Tolle an dem Roman ist aber, dass wir alles und alle, die da Geschichte machen und sind, so intensiv erleben. Aus der Distanz und auch ganz nah, mal von außen, mal von innen. Mal stecken wir im Kopf Henris und manchmal im Mörderhirn der Katharina von Medici. Alles leuchtet ein, alles bleibt uns fremd. Mitfiebern müssen wir nicht, denn alles ist sehr gedichtet - und erscheint mehr als Vision denn als eine Geschichte.
Ich freu mich schon auf Band 2: „Die Vollendung des Königs Henri Quatre“


• Carlos Ruiz Zafón: Der Schatten des Windes (1)
Das Buch macht süchtig!

• Elizabeth Subercaseaux: Eine Woche im Oktober (3)

• Jorge Bucay: Komm, ich erzähl dir eine Geschichte


SACHBUCH

• Elisabeth Raether und Jana Hensel: Neue deutsche Mädchen (2)

• Manfred Breuckmann: Mein Leben als jugendlicher Draufgänger (3)


Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die auch gelesen und nicht nur gelistet werden. Von echten Leserinnen und Lesern. Die noch echt lesen.

Sonntag, 6. Juli 2008

Was liest du? Die Wahre Bücherliste im Juli 2008

Ein wenig enttäuscht war ich schon, dass mir niemand auf meine versteckte Frage vom letzten Mal geantwortet hat. Kann doch wohl nicht sein, dass keiner "Mein Herz so weiß" gelesen hat, oder?

Davon ab: Der Sommer ist da. Und ich hab auch endlich mal wieder etwas mehr Zeit, ein Buch zu lesen. Dafür scheinen allerdings einige viele im Urlaub zu sein. Die Liste fällt wird im nächsten Monat hoffentlich wieder etwas ausführlicher aus.

Und jetzt kommt die Liste. Diesmal mit Schulnoten benotet. In grün wie schon beim letzten Mal: die Kommentare der Leser.

BELLETRISTIK

• Matt Ruff: Ich und die anderen (2)
Die Geschichte zweier Menschen mit multipler Persönlichkeit. An sich ein ernstes Thema. Aber Ruff gelingt eine spannende, lustige, nur manchmal schreckliche Geschichte. Lesenswert.

• Stieg Larsson: Verdammnis (2)

• Alfred Döblin: Wallenstein (oW)
Ich kann das noch nicht benoten, bin erst auf Seite 16 (von etlichen hundert). Es scheint ein prächtiges Epos zu sein, detailreich, aber auch grob. Handlung spartanisch, sehr sinnliche Sprache. Syntax und Interpunktion eigenmächtig. Historisches und Legendäres wird einträchtig gleichrangig erzählt. Also, wer hätte das gedacht - in Form und Inhalt schön expressionistisch. Ein Liebhaberstück. Nächsten Monat kann ich hoffentlich Näheres sagen. (Dann bin ich bestimmt schon auf Seite 21.)

• Robert Ludlum: The Parsifal Mosaic (oW)

• Tony Hillerman: Die Nacht der Skinwalkers (1)

• Luis Sepúlveda: Un viejo que leía novelas de amor (3,5)

• Haruki Murakami: Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt (1)

• Herman Hesse: Narziß und Goldmund (oW)

• Jennifer Crusie: Anyone but you (oW)

• Gwendoline Riley: Cold Water (oW)

• Rocko Schamoni: Sternstunden der Bedeutungslosigkeit (2,5)
Sehr nettes Buch, das selbstredend keine große Literatur ist. Aber doch mitunter spannend und mit Wortwitz ausgestattet. Mit kuriosen Einfällen. Ich mag es. Vielleicht les ich sogar noch das erste Buch von ihm. Mal sehn.

SACHBUCH

• Christoph Grunenberg: Summer of Love. Psychedelische Kunst der 60er Jahre (2)
Recht spannend, etwas über die künstlerischen Hintergründe einer Zeit zu lesen, die eigentlich immer nur mit Drogenrausch gleichgesetzt wird. Viele schöne bunte Bilder!

Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die wirklich gelesen und nicht nur gelistet werden.

Sonntag, 8. Juni 2008

Was liest du? Die Wahre Bücherliste im Juni 2008.

So langsam, aber sicher kristallisiert sich heraus, dass "Der analoge Architekt" ein monothematischer Blog ist. Was nicht schlimm ist. Aber ich wollte das mal feststellen.

Womit ich auch schon beim nächsten Thema bin: In "Mein Herz so weiß" packt Juan, der Ich-Erzähler, seinen Koffer immer sofort aus, wenn er heimgekommen ist. Das hab ich behalten. Aber leider nicht mehr, warum. Eine Frage, mit der ich mich jetzt schon seit ein paar Tagen herumplage.

Nun gut, ich will euch nicht mit meinen Wissenslücken aufhalten, sondern gleich zur aktuellen Bücherliste überleiten: Here we are! Viel Spaß beim Lesen! In grün wie schon beim letzten Mal: die Kommentare der Leser.

BELLETRISTIK

• Frank Schätzing: Tod und Teufel
• T. C. Boyle: World's End
• Elizabeth George: Wer die Wahrheit sucht
• Patrick Süskind: Das Parfum
• Ken Follett: The Pillars of the Earth
• Sophie van der Stap: Heute bin ich blond. Das Mädchen mit den neun Perücken [" Krebsbuch, Biographisch, gut."]
• Henning Mankell: Kennedy's Hirn Jean-Dominique Bauby: Schmetterling und Taucherglocke
• Stewart o`Nan: Letzte Nacht John Niven: Kill your friends ["Ziemlich krass! Das Wort "verfickt" taucht auf jeder Seite mindestens einmal auf. Nach wenigen Seiten hasst man die Hauptfigur. Liebenswert ist dieses Buch nicht."]

SACHBUCH

• Christian Berndt, Robert Pütz (Hrsg.): Kulturelle Geographien. Zur Beschäftigung mit Raum und Ort nach dem Cultural Turn.
• Christoph Grunenberg: Summer of Love. Psychedelische Kunst der 60er Jahre
• Julia Cameron: Der Weg des Künstlers ["Für mich als Konfessionslose nicht ganz nachvollziehbar, dass ein Gott Einfluss auf meine Kreativität haben soll. Aber man kann für zwölf Wochen ja mal ihrem Programm folgen. Vielleicht bringt es was."]
• Albrecht Beutelspacher: Kryptologie

Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Lsten sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die wirklich gelesen werden.

Dienstag, 6. Mai 2008

Was liest du gerade? Die einzig Wahre Bücherliste im Mai 2008!

Ach ja, schon wieder ein Monat rum. Und dabei stell ich doch gleich mal fest, dass es die Wahre Bücherliste jetzt schon länger als ein Jahr gibt. Eigentlich ein Grund zum Feiern. Stoßen wir also an: "Kling Klong!".

Jetzt ist aber Schluss mit Lustig. Jetzt kommen die Bücher - heute mal etwas rudimentärer als sonst. Allerdings mit sehr lustigen Buchtiteln. Meine Favoriten: "Lusthängen" und "Wortstoffhof". Viel Spaß beim Lesen. Ich geh jetzt im Bett. Gute Nacht!

BELLETRISTIK
• Kiran Desai: Der Guru im Guavenbaum

• Frank Schätzing: Die dunkle Seite

• Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt

• Albert Camus: Der Fall

• Axel Hacke: Wortstoffhof

• Andrej Turgenew: Schlafen und glauben

• Ken Follet: Un mundo sin fin (Die Tore der Welt)

• Chris Cleave: Lieber Osama ["Bei einem Spiel Chelsea gegen Arsenal fliegt das Stadion in die Luft, 1000 Menschen sterben. Eine Mutter sieht die Explosion im TV, während sie gerade ihren Mann betrügt - der, wie ihr Sohn, den Anschlag nicht überlebt. Nach Wochen im Krankenhaus macht sie sich daran, Osama einen Brief zu schreiben, über ihr Kind, das sie verloren hat, damit er einsieht, seine Bomben sind der falsche Weg. Das klingt dramatisch mit Gefahr zum Schmalz, geht aber an Stellen unter die Haut, die man nicht kannte, und bringt einen in all seiner Tragik auch immer wieder zum Lachen. Ziemlich gut."]

• Irvin D. Yalom: Der Panama-Hut. Oder: Was einen guten Therapeuten ausmacht.

• Hubert Neumann: Lusthängen

• Anneli Schinkel: Seidentochter

• Ingrid Strobl: Tödliches Karma

• David Baldacci: The Collectors

• Charlotte Link: Die letzte Spur

• Markus Zusak: Die Bücherdiebin

• Charlotte Roche: Feuchtgebiete

• John Boyne: Der Junge im gestreiften Pyjama

• Raymond Queneau: Zazie dans le métro ["ziemlich sprachakrobatisch und sehr toll; Zazie ist aber eine furchtbare pubertäre Nervensäge; dafür ist ihr Onkel Gabriel, der als Nachtclubtänzerin arbeitet, umso sympathischer"]

• Ken Follett: Die Säulen der Erde

• Mika Waltari: Sinuhe, der Ägypter ["Ein wunderschönes Buch, das einen nicht nur inhaltlich sondern auch sprachlich ins alte Ägypten entführt. Der alte Sinuhe erzählt aus seiner Verbannung von seinem bewegten Leben. Als Findelkind wird er von dem Armenarzt Senmut und seiner Frau Kipa aufgezogen und wird selber Arzt. Leider gerät er an die falsche Frau, verliert alles und begibt sich mit seinem Sklaven Kaptah auf eine lange Reise durch die versunkenen Weltreiche der Antike. Mit den Frauen wird's nie was, dafür findet er nach seiner Rückkehr nach Ägypten neue gefährliche Freunde, die ihn für ihre politischen Ränke einspannen, so Amenophis IV, besser bekannt als Echnaton, Haremhab, der später Pharao wird und und und. Dazu erfährt er auch das Geheimnis seiner Herkunft. Ein richtig gelungener Historienschmöker, der historische Tatsachen mit der Lebensgeschichte eines Antihelden verbindet (wirklich selten, weil entweder Historienromane eher Fach- oder Frauenbücher (mit Frauen die natürlich alles meistern, z. B. die unsägliche Päpstin) oder Heldensagen sind) und der vor allem reinhaut, wenn man ihn an Deck eines Kreuzfahrtschiffes auf dem Nil liest."]

• Anja Förster: Alles außer gewöhnlich

SACHBUCH
• Volker Wolff: Das ABC des Zeitungs- und Zeitschriftenjournalismus ["ja, das hält sich …"]

• Burton G. Makiel: Von der Wall Street zur Chinesischen Mauer

• Rainer Sache: Wie manipuliere ich meinen Partner - aber richtig

• Horst Siebert: Lernmotivation und Bildungsbeteiligung ["Gutes Buch für Menschen, die sich mit der Erwachsenenbildung beschäftigen. Darin sind die wichtigsten Theorien zur Motivation von Lernenden aufgeführt und einander gegenübergestellt. Man muss nur wissen, dass der Autor ein Konstruktivismus-Fan ist, das muss man bei der Lektüre entsprechend einordnen."]

Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Lsten sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die wirklich gelesen werden.

Mittwoch, 9. April 2008

Was liest du gerade? Die einzig wahre Bücherliste im April 2008!

Guten Tag, liebe Leser, liebe Mitmacher und Gleichgesinnte,

weiter geht es mit der April-Liste. Diesmal ohne viel Worte. Die Liste erklärt sich ja hoffentlich von selbst.

Update: Ein paar Leute haben ihre Bücher nachnominiert. Was neu ist, ist in Blau. Ist ja kein Ratespiel hier.


BELLETRISTIK

• Miranda July: No one belongs here more than you.
[Leserkommentar:] Ich habe es ja schon so ein bisschen mit Kurzgeschichten-Bänden. Viele nerven mich aber leider bei jeder zweiten Story - nicht so dieser Band von Miss July. Wundervolle Sprachbilder, schöne Ideen, zauberhaft und dabei immer ein bisschen abwegig erzählt: großartig!

• Christiane Geldmacher (Hg.): Hell's Bells. Kriminalgeschichten.
[Leserkommentar:] Nochmal Kurzgeschichten, diesmal thematisch eingegrenzt. Und nochmal: chapeau. Großer Lesespaß!

• Ken Follett: Los Pilares de la Tierra

• Sabine Ebert: Das Geheimnis der Hebamme

• Michail Bulgakow: Der Meister und Margarita
[Leserkommentar:] Kann ich sehr empfehlen, allerdings nur Leuten, die Schräges mögen. Am besten ist, dass Pontius Pilatus drin vorkommt und dass man endlich erfährt: Judas hat sich gar nicht selbst umgebracht. Auch über den Satan lernt man was und über die Liebe (nämlich, dass sie entweder einfach so vorhanden ist oder nicht). Ja, und wie die Menschen so lebten, damals in Moskau, als der Satan zu Besuch kam, das ist auch interessant. Lauter Hauswarte, Gemeinschaftsküchen, Literatenvereinigungen. Me gusta!

• Jan Seghers: Ein allzu schönes Mädchen.
[Leserkommentar:] Es handelt sich um einen Kriminalroman, bei dem der Täter für den Leser relativ früh erratbar ist. Ich bin trotzdem dabeigeblieben, weil mir die Darstellung des Kommissars und diverser Nebenfiguren sehr gut gefiel. Außerdem gibt es knapp vor Schluss noch zwei überraschende Wendungen, die für ein Happy End sorgen.

• Alexander Osang: Lennon ist tot

• John Grisham: The Innocent Man

• Irvine Welsh: Porno
[Leserkommentar:] An die Umgangssprache, in der das Buch geschrieben ist, habe ich mich gewöhnt. Aber was mich wahnsinnig macht: Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben, aber der Protagonist wechselt von Kapitel zu Kapitel. Und da es viele Protagonisten gibt, ist es recht schwierig von Beginn eines Kapitels an zu wissen, wessen Geschichte gerade weitergesponnen wird. Außerdem habe ich gestern die am ekelhaftesten beschriebene Sexszene meines ganzen Lebens gelesen. Immerhin hat sie einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen: Ich könnte sie von einem Würgereiz begleitet wiedergeben. Warum ich das Buch trotzdem weiterlese? Ich möchte wissen, ob die ehemaligen Trainspotting-Boys es schaffen, diesen Film zu Ende zu drehen.

• Juli Zeh: Schilf

• Charlotte Roche: Feuchtgebiete

• Wilhelm Genazino: Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman.
• Richard Yates: Elf Arten der Einsamkeit.

• Dieter Nuhr: Gibt es intelligentes Leben?

• Markus Zusak: Die Bücherdiebin

• Sharon Dogar: Salzwassersommer

• Robert Weninger: Streitbare Literaten

Francois Lelord: Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück
[Leserkommentar:] Kann ich nur empfehlen! Meine Meinung: Ein wunderbares, leicht zu lesendes Buch über das Glück dieser Erde. So jeder wird sich darin wiederfinden, schmunzeln, lächeln, und mit Sicherheit Parallelen zum eigenen Leben sehen. Es bringt einen auf den Boden der Tatsachen zurück (sollte man gerade an der Decke schweben) bzw. erinnert einen, was wirklich wichtig ist im Leben.

Wladimir Kaminer: Mein Leben im Schrebergarten

• Regine Sylvester: Bis hierhin. Und wie weiter? Nachrichten aus einem Frauenleben



SACHBUCH

• Roland Lippuner: Raum Systeme Praktiken. Zum Verhältnis von Alltag, Wissenschaft und Geographie

• Dominik Reuscher: Windows Vista, Internet & E-Mail
[Leserkommentar:] Verständlich geschrieben

• Dominik Reuscher: Ihr Vista-PC: aufbauen, einrichten, aufwerten
[Leserkommentar:] Verständlich geschrieben

• Volker Wolff: ABC des Zeitungs- und Zeitschriftenjournalismus

Dirk Lehmanski; Michael Braun (Hrsg.): Das Schreibbuch.


Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Lsten sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die wirklich gelesen werden.

Samstag, 8. März 2008

Was liest du gerade? Die einzig wahre Bücherliste im März 2008!

Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser, liebe Mitmacherinnen und Mitmacher, liebe Gleichgesinnte!

Wir haben eine neue Mit-Buch-Einschickerin auf der Liste: Stefanie, herzlich willkommen!

Ansonsten freue ich mich über die vielen Einsendungen für die März-Liste. 68 Damen und Herren habe ich angeschrieben, 15 verwertbare Mails kamen zurück. Das ist ein guter Schnitt, wie ich finde – und auf jeden Fall steigerungsfähig.

Sicherlich stellt sich dem ein oder anderen jetzt die Frage, warum auf der Liste mehr als 15 Buchtitel aufgeführt sind! Nun, das ist schnell erklärt: Es gilt halt viele Parallel-Buch-Leser.

Und wer sich fragt, warum auf der Liste so viele spanische Buchtitel aufgeführt sind, dem verrate ich, dass nur eine echte Spanierin auf der Liste ist.

Jetzt viel Spaß mit der März-Liste! Ich wünsche euch gute Anregungen – und freue mich auf riesig viel Feedack! Bis zum nächsten Mal!

PS: Sollte ich jemanden vergessen haben, kurze Mail an mich. Dann mach ich aus Vergessen ein Erinnern.

BELLETRISTIK

• Ken Follet: Un mundo sin fin
[Leserkommentar]: Das ist die Fortsetzung von „Die Säulen der Erde“

• Clive St. Lewis: Das Wunder von Narnia

• Markus Zusak: Die Bücherdiebin

• David Baldacci: Simple Genius

• Tess Gerritsen: Schwesternmord

• Jan Weiler: Antonio im Wunderland

• Lutz Becker: texttourismus. Eine Benefiz-Lesereise
[Leserkommentar]: Grrr. Kurzgeschichten, speziell in Anthologien, haben dann doch immer den "Nachteil", dass man recht lange an ihnen liest - sie lassen sich zu leicht immer mal wieder beiseite legen. Dafür weiß ich mittlerweile, dass es bald einen zweiten Band des texttourismus geben wird und man unter www.texttourismus.de am Autorenwettbewerb teilnehmen kann.

• Arundhati Roy: Der Gott der kleinen Dinge
[Leserkommentar]: Ungewöhnlich wortmalerische Sprache. Ein Beispiel: „Augenblicke wie diesen hüteten die Zwillinge wie einen Schatz und fädelten sie wie wertvolle Perlen auf eine (etwas kärgliche) Kette.“

• Ken Follet: Eisfieber

• Frank Goosen: Pink Moon

• Ken Follett: Los Pilares de la Tierra

• Mauro Entrialgo: El demonio rojo

• Josè Saramago: Die Stadt der Sehenden

• Francois Lelord: Hector und die Geheimnisse der Liebe

• Avram Kantor: Die erste Stimme

• Wilhelm Genazino: Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman

• Lily Brett: Chuzpe


SACHBUCH

• Maxie Wander: Guten Morgen, du Schöne
[Leserkommentar]: In der Überzeugung, jedes Leben sei berichtenswert, hat Maxie Wander Frauen interviewt - aus den Protokollen entstand dieses Buch. Nicht spektakulär, aber sehr hübsch

• Deborah Curtis: Touching from a Distance

• Margarete I. Ersen-Rasch: Güle güle (Arbeitsbuch)
[Leserkommentar]: "Türkisch ist keine schwere Sache" behauptete unser Lehrer keck in der ersten Stunde - bezüglich der Grammatik mag er recht haben. Aber Aussprache und Schreibweise? Quälend! Hiermit wird daheim geübt, um im Unterricht den Anschluss nicht zu verpassen

• Volker Wolff: ABC des Zeitungs- und Zeitschriftenjournalismus

• Jim Rogers: Investieren in China
[Leserkommentar]: Netter Wechsel zwischen Fakten und Geschichten

• Thich Nhat Hanh: Kein Werden, kein Vergehen. Buddhistische Weisheit für ein Leben ohne Angst.
[Leserkommentar]: Empfehlung meines Yoga-Lehrers, erleuchtungsverdächtig ;-)

Warum gibt es eigentlich die Wahre Bücherliste? Weil sie beweist, dass Bestseller-Listen Bestseller-Listen sind. Und die Wahre Bücherliste die wahrscheinlich einzige Liste ist, die Bücher auflistet, die wirklich gelesen werden.

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